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Der SC Kriens ist ein Ausbildungsverein. Geht es nach Jill Meyer zukünftig auch für SchiedsrichterInnen.

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Mit SCK-Cheftrainer Mike Winsauer blicken wir auf die sportliche Entwicklung der 1. Mannschaft.

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Seit Jahren ein wichtiger Begleiter des SC Kriens. Zu Gast bei unserem Co-Hauptsponsor Beraterhaus.

KOLUMNE
Oliver Kraaz über Legenden des SC Kriens und seine Bravo-Hefter-Sammlung. 

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Lieber eine SCK-Legende treffen als alte «BRAVOS» tauschen

Von Oliver Kraaz | Klubheft Kleinfeld #26

Meine Nachrichten auf dem Facebook-Messenger prüfe ich selten. Meist, weil mich da eh nur junge russische und asiatische Frauen unbedingt kennenlernen möchten. Vielleicht tatsächlich nur mit lauteren Absichten wie über zeitgenössische schwedische Literatur zu plaudern oder alte «BRAVO»-Ausgaben zu tauschen. Nur: Ich habe keine Zeit, weil ich ja am Wochenende eh immer an Spielen bin und unter der Woche vergangene Spiele verdauen und bevorstehende Spiele mental vorbereiten muss.

Eine Kontaktanfrage auf dem Messenger fiel mir trotzdem auf. Erstens, weil die junge Frau «Kusi Kälin» hiess und zweitens gar keine Frau war – sondern niemand Geringeres als Torhüterlegende Markus Kälin. Das Wort «Legende» verwende ich bewusst, dazu aber später.

Kusi schrieb mir nach dem Jubiläumsspiel gegen Bulle und dem damit verbundenen Revival der SCK-Historie. Er schickte mir einige Fotos von Zeitungsartikeln aus seinem Archiv. Der Clou: Der SC Kriens war nicht nur vor 50 Jahren erstmals in die NLB aufgestiegen, sondern wiederholte dies 40 Jahre später fast auf den Tag.

Ich las alle Artikel durch, die er mir via E-Mail zuschickte. Irgendwann wechselten wir auf WhatsApp und schrieben uns mehrere Abende hindurch, Zeitungsartikel gingen hin und her, Erinnerungen an meine Reporter-Zeit bei Radio Pilatus wurden wach. Namen wie Agent Sawu, Adam Ndlovu, Kudi Müller, Reto Rossi, Frank Triebold, der junge Bruno Galliker tauchten auf. Und alles gipfelte in der NLA-Saison (heute Super League) 1993/1994. Mit Markus «Kusi» Kälin im Tor. 

Da dämmerte mir: Der Mann stand von der 1. Liga bis in die NLA im Tor des SC Kriens. Was für eine Reise aus dem Insiderkreis des Amateurfussballs ins grosse Schaufenster. Ganz nebenbei gehörte dazu auch die Cup-Sensation, als Kriens den FC Basel auswärts vor 1500 (!) Zuschauern im alten St.-Jakob-Park aus dem Cup kegelte. Kälin trug mit seinen Paraden massgeblich dazu bei, dass der FC Basel kein Mittel gegen den SC Kriens fand. Was auch der «Blick» mit grossen Schlagzeilen vermeldete. Landesweit, der «Blick» gehörte noch zur Grundversorgung der Schweiz.

Markus Kälin absolvierte 22 Partien in der NLB (Challenge League) und die Vorrunde in der NLA. Dazu unzählige Partien in der damals knüppelharten 1. Liga. Seine Karriere musste er in der Winterpause der NLA-Saison aufgrund einer Verletzung beenden. Er war als Amateur in der NLA, auch das typisch für den SC Kriens, bereits als Lehrer tätig. Weil die Verletzungshexe zusehends seine engste Mitspielerin wurde, legte Kälin die Torwarthandschuhe aus Vernunft, nicht aber ohne Wehmut beiseite. Torwarthandschuhe, die unzählige Torchancen der Gegner vereitelten und den Kasten des SC Kriens sauber hielten.

Rund 100 Spiele in drei Ligen für einen einzigen Verein. Das ist eine irre Geschichte, eine Karriere, die es so nicht mehr geben wird. Ebenso die Hintergrundgeschichten, welche Kusi im Chat erzählen konnte. Keine Skandale, aber Zeugen einer Fussballzeit, die anders geartet war. Die Blicke zurück zeigen eines trotzdem schön auf: Wie sich der SC Kriens doch über all die Jahre treu geblieben ist. Mit seinen Höhenflügen, aber ebenso mit seinen Grenzen. 

Wann ist ein Spieler eine Legende? Der Begriff wird heutzutage auf Social Media schnell verwendet. Im Krienser Sinne darf man es sicher so verstehen: Spieler, die über mehrere Saisons den Dress des SC Kriens getragen haben, nach Höhenflügen und eventuellen Abstiegen auch wieder den Neuanlauf mitgemacht haben. Und zu guter Letzt ganz einfach auch menschlich ins Kleinfeld und seinen Menschen passten. «Schreibst du schon wieder mit Kusi?», fragte mich meine Tochter abends, als sie mich mit dem Handy auf dem Sofa sitzen sah, mit grossen Augen alte Zeitungsartikel lesend und dann wieder wild zurückschreibend.

«Triff ihn doch mal, besser.» Stimmt. Kusi und ich haben nun abgemacht, dass wir uns für ein Heimspiel treffen. Dazu verschiebe ich gerne erneut ein Treffen mit jungen und russischen Frauen, selbst wenn sie ein «BRAVO»-Heft mit Don Johnson aus «Miami Vice» auf dem Cover zum Tauschen hätten.

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