Mit Beni Huggel im Schlafsack in die Stockhorn-Arena
Von Oliver Kraaz
Nations League-Phasen sind eine seltsame Zeit. Es wird gerannt und gekickt und wenn wir ganz ehrlich sind: es geht um nix. Wer erinnert sich noch an die Gründungs-Idee der Nations League: Freundschaftsspiele sollen nun plötzlich ernst und wichtig sein, darum bastelte man eine Liga drumherum, komponierte auf PC eine Melodie, brutzelte alte Logos um und - voilà.
Ähnlich, wie wenn man seiner Hauskatze ein Löwenkostüm anzieht und ruft: «Achtung! Wir sind nun ein Zoo mit Raubtieren! Ein Besuch bei uns kostet nun 10 Franken Eintritt!»
Dazu passt auch das SRF mit seinen Übertragungen. Es wirkt alles furchtbar wichtig. Beim Jahrhundertspiel gegen Nordmazedonien standen Paddy Kälin (nicht Patrick, Päddy!) und Beni Huggel mit bizarren Jacken am Spielfeldrand. Vor allem bei Huggel sah es aus, als ob er unter seinem Jacket einen Schlafsack samt Bodenmättli tragen würde.
Aber Huggel verzeih ich alles. Alles. Sein Verdienst für die Schweiz geht völlig unter. Als die Schweizer-Nati bei der Keilerei in Istanbul 2005 in der Barrage hinten und vorne verprügelt wurde, stand Huggel als einziger seinen Mann und gab einem Rüppel so richtig Schmackes. Wie Winkelried bezahlte er für seinen heldenhaften Einsatz fürs Land bitter: Er wurde für die WM 2006 gesperrt.
Als Ehrerbietung kaufte ich damals ein Nati-Dress und lies Huggels Nummer und Namen auf den Rücken drucken. Wahrscheinlich studiert man bei Adidas noch heute, wer dieses einzige Huggel-Shirt bestellt hatte.
Mit dieser Vorgeschichte darf man fast 20 Jahre später schon eine Schlafsack-Kombi tragen. Seine Kommentare sind sicher auch gut, ich kann es nicht beurteilen – ich schaue die Länderspiele immer lautlos und löse dazu deutsche Kreuzworträtsel, während SRF1 läuft.
Kollege Schudel bemerkte wehmütig: Wo sind die guten, alten Freundschaftsspiele geblieben? Doch Es gibt sie noch. Wir spielen am Samstag um 13.00 Uhr in der Stockhorn-Arena gegen Thun. Es geht wirklich um nichts. Gut, unser Trainer würde sagen «um Erkenntnisse». Das kann nie schaden in der heutigen Zeit.
Ein Fancar fährt diesmal leider nicht. Aber Zugfahren kann doch so schön gemütlich sein. Mit Kreuzworträtsel und saurem Kaffee aus dem SBB-Kaffee-Automaten. Und alle Zeit der Welt.