Barbara Salesch und Playoffs im DDR-Eishockey
Von Oliver Kraaz
Fussball-Fans messen die Zeit bekanntlich am Spielplan. Andere Zeitgenossen schauen auf ihre Kinder und rufen immer baff aus: «Wie die Zeit vergeht» Dasselbe Gefühl kommt zusehends auch am Morgen beim Blick in den Spiegel auf, nur weniger freudig, eher ächzend.
Also: «Wie die Zeit vergeht, schon wieder Rappi» – oder besser: «Wie die Zeit vergeht. Schon wieder Rappi …». Das Zeitgefühl in diesem Zusammenhang trügt jedoch, es nährt sich noch aus dem Erleben der grossen Promotion League, in der man das Lebensjahr sinnvollerweise in die beiden Hälften «Hinrunde» und «Rückrunde» aufteilen konnte. Das geht bei der Challenge League nicht, da diese mit gerade mal 10 Teams eine magersüchtige Liga ist. Zehn Teams, das ist in anderen Ligen die Teilnehmerzahl für die Playoffs.
Verglichen mit der DDR-Eishockey-Meisterschaft sind zehn Teams jedoch immer noch ein Luxus. Da gab es ab 1969 nur noch zwei (!) Mannschaften. Dynamo Berlin und Dynamo Weisswasser. Die spielten dann ein Jahr lang so oft gegeneinander, bis der Doktor kam und die verwirrten Spieler vom Eis holte. Als Abwechslung gab es 1988/89 dann noch den Cup, aber das produzierte auch kein Volksfest mehr auf den Strassen. Nicht zuletzt, weil dann schon das halbe Land kurz vor der Abreise in den Westen war.
Nicht, dass ich jetzt die Challenge League mit der DDR-Eishockey-Liga vergleichen möchte. Gott behüte! Nein, da ist schon mehr los. Wenn ich mich recht erinnere, war das Hinspiel in Rapperswil ein lauer Sommerabend, es hatte knapp 15'000 Zuschauer und Kollega Schudel bewachte den Käfig der Auswärtsfans.
Ja, es war ein hartes Brett, dieses 1:1. Dürfte diesen Freitag nicht anders werden. Ich werde nicht dabei sein können, da ich meine Tochter an einen Eislaufwettbewerb begleite. Da muss ich mich immer beherrschen, dass ich nicht gleich reinbrülle wie auf dem Kleinfeld. Irgendwie so ein Tribünen-Reflex bei mir. Aber ich werde besser.
…bei der Rückrunde zur Rückrunde werde ich wieder vor Ort sein. Ist ja ein bisschen wie bei «Richterin Barbara Salesch» auf Sat.1, wenn um 2:50 Uhr morgens die alten Folgen wiederholt werden. Auch beim zweiten Mal noch gut anzuschauen.