«Zu oft geht vergessen, dass wir letztlich alle im gleichen Boot sitzen»

Von Werni Baumgartner Noch vor wenigen Wochen waren unsere Agenden voll, die Ferienpläne gemacht, die Wochenenden verplant, das Familienfest organisiert und hoffentlich alle Spiele des SCK vorgemerkt. Und plötzlich ist alles anders. Ein kleines, unsichtbares Virus kennt keine Termine, keine sozialen Unterschiede und keine Grenzen. Kein Mensch hätte je erreicht, was dieses innert kürzester Zeit geschafft hat.

Es zwingt uns Fabriken, Beizen, Fussballstadien und vieles mehr zu schliessen und zu Hause zu bleiben. Covid-19 ist kein Botschafter und ist nicht gekommen um uns etwas zu sagen. Es lässt uns aber spüren wie verletzlich wir sind. Ein Blick an einen sternenklaren Nachthimmel sagt alles. Und doch nehmen wir uns immer wieder für so wichtig – und vergessen dabei, dass die Möglichkeiten von uns Menschen Grenzen haben. Uns ist wohl wieder einmal die Demut verloren gegangen. Die Natur ist nicht Teil von uns, sondern wir sind Teil der Natur.

Und was hat der Fussball damit zu tun?

Ist im Fussball in jüngster Zeit nicht auch ab und zu der Sinn für das Spiel, für den Wettkampf, für Freundschaften, vor allem aber für das Soziale und Familiäre, für die Identifikation mit dem Verein, für die Solidarität mit den Teammitgliedern etwas verloren gegangen? Ist das persönliche Interesse manchmal wichtiger, das Engagement für das Team dagegen kleiner geworden? Romantiker war, wer an alte Zeiten dachte als das Bier nach dem Spiel wichtiger war als die Punkteprämie.

Auch der SCK kann sich diesem Zeitgeist nicht entziehen. Aber vielleicht hilft das Virus über gewisse Dinge nachzudenken, die aus den Fugen geraten sind. Über die Tatsache, dass einige Spieler im Profifussball an einem Tag mehr verdienen als der Platzwart in einem ganzen Jahr. Oder darüber, dass die Identifikation mit einem Verein nicht mehr zählt, weil schon morgen etwas wichtiger ist. Oder dass sich ein Engagement für eine Sache nicht lohnt, wenn man nichts dafür erhält. Zu oft geht vergessen, dass wir letztlich alle im gleichen Boot sitzen und dass es uns am besten geht, wenn es allen im Boot gut geht.

In dieser Krise zeigen sich die Menschen wieder von ihrer menschlichen Seite. Solidarität, Verzicht, Engagement, Mitgefühl, Vertrauen, Respekt – plötzlich wird das alles wieder wichtig und wir spüren, dass geben glücklicher macht als nehmen. Der griechische Dichter Menander hat das schon um 300 vor Christus so schön gesagt: «Wenn alle Menschen sich immer gegenseitig beistünden, dann bedürft niemand das Glück».

Und so darf ich mit genügend Demut und doch etwas Stolz sagen, dass unser Kleinfeld, ob im alten oder im neuen Kleid, immer auch so etwas wie eine kleine Oase der Solidarität geblieben ist. Im Kleinfeld finden wir Freunde, engagierte Helfer, Freiwillige, Fussballverrückte, Nichtfussballer, Alte, Junge und Familien. Das hat unseren SCK und unser Kleinfeld immer so speziell gemacht.

Und wohl deswegen vermisse ich die vielen Begegnungen, die vielen Gespräche über Wichtiges und Unwichtiges, die vertrauten Gesichter und die spannenden Fussballspiele so sehr. Jetzt, da wir das alles nicht mehr haben, merken wir noch mehr wie viel uns der SCK und das Kleinfeld bedeuten. Freuen wir uns auf die Zeit im Kleinfeld. Da wo wir Freunde treffen und das Leben feiern.

Unser SC Kriens wird uns in den kommenden Monaten brauchen – vielleicht mehr als je zuvor. Packen wir es zusammen an.

Dieser Beitrag erschien im aktuellen Clubheft des SC Kriens als Vorwort von Präsident Werni Baumgartner.

Wie gehts weiter beim SC Kriens? «11 Minuten +Nachspielzeit» heute Freitag 8. Mai mit Werni Baumgartner.
Ab 18.30 Uhr live auf Instagram. 

 

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