«Wo der Fussball noch nahe bei den Menschen ist»

Wir stehen in der dritten Saison mit unserem Hauptsponsor «MVM». Seit fünf Jahren leitet Sascha Ziswiler das Unternehmen aus Emmen. Im Interview spricht er über den SC Kriens und eine anfängliche Skepsis seiner Mitarbeiter.

Sascha Ziswiler, für was steht das Kürzel MVM?
Für unsere Haupttätigkeiten. Montieren, verputzen, malen.

MVM steht gemäss der eigenen Webseite auch für einen Familienbetrieb. Was bedeutet das?
Für mich bedeutet es, dass ich erreichbar sein möchte. Ich versuche sehr nahe bei unseren Mitarbeitenden zu sein. Sie sollen wissen, sie können mit einem Problem, ob geschäftlich oder privat, zu mir kommen. Dasselbe gilt für unsere Kunden, ob Lob oder Kritik, mich kann man erreichen. Probleme versanden nicht, sondern werden besprochen und hoffentlich gelöst. Da haben wir als Firma durchaus Ähnlichkeiten mit dem SCK.

Beim familiären Charakter?
Ja, auch beim SC Kriens sind die Führungspersonen für alle Mitglieder, Trainer und Junioreneltern erreichbar, wenn es etwas zu besprechen gibt. Das ist sehr wichtig.

Es ist schön zu sehen, dass man im Kleinfeld eine etwas andere Linie fährt – und Erfolg damit hat

Weshalb ist MVM vor drei Jahren als Hauptsponsor beim SCK eingestiegen?
Ich fand das Projekt mutig. Das neue Stadion und die Idee, als Amateure in die Challenge League aufzusteigen, dort zu bestehen und sich mit bescheidenen Mitteln und viel Herzblut in der Liga weiterzuentwickeln. Wenn ich vergleiche, GC hat 13 Millionen, Lausanne vielleicht 12 und dann kommt der SC Kriens mit ungefähr 1,5 Millionen Franken Budget für die 1. Mannschaft und kann gegen solche Vereine bestehen, das ist doch sensationell. Das ist die Fussballwelt, wie ich sie kenne. Es ist schön zu sehen, dass man im Kleinfeld eine etwas andere Linie fährt – und Erfolg damit hat.

Was meinst du mit «eine andere Linie fährt»?
Es gibt momentan so viel Fussball, immer und überall Fussball. Ich begegne diesem steigenden Wachstum und dem enormen Geldfluss im Fussball schon eher skeptisch. Aber ich sehe diese Entwicklung auch als Chance für Vereine wie den SC Kriens, wo der Fussball noch nahe bei den Menschen ist, die Spieler fassbar sind und man engagierten und leidenschaftlichen Fussball sehen kann. Ich finde, es braucht wieder mehr Authentizität wie im Kleinfeld – mehr Amateure als Champions League wenn man so will.

Als MVM als Hauptsponsor beim SCK einstieg, spielte der Verein in der Promotion League. Wie beurteilst du die Entwicklung des Vereins?
Wie gesagt, es braucht Mut und Überzeugung, um so zu sein oder zu werden wie der SC Kriens. Der Verein macht momentan sehr viel richtig, das darf man glaube ich sagen. Sonst wäre eine solche Entwicklung auf unterschiedlichsten Vereinsebenen gar nicht möglich. Ich hoffe, dass der SCK diesen Weg nun fortführt, mutig bleibt und dem steigenden Erfolgs- und vielleicht auch dem Erwartungsdruck widersteht.

Wie reagieren die MVM-Mitarbeiter auf das Engagement beim SCK?
Zuerst waren sie eher kritisch, das muss ich zugeben. Wir haben viele Fussballfans im Unternehmen und viele stehen eher dem FCL nahe. Ich musste dieses Engagement von uns beim SCK also auch ein bisschen «verkaufen», schliesslich geht es doch um viel Geld. Aber unsere Mitarbeiter erkannten schnell den Sinn dieser Unterstützung.

Wir haben von dieser Zusammenarbeit bisher profitiert und konnten unseren Bekanntheitsgrad steigern

Was hast du ihnen erzählt?
Was ich bereits gesagt habe, tolles Projekt, toller Verein – mutig und anders. Und zum SC Kriens gehört ja nicht nur die erste Mannschaft, das sieht man vielleicht zuerst gar nicht, sondern auch die nachhaltige Juniorenabteilung, das grosse gesellschaftliche Engagement des Vereins, das ist etwas sehr sinnvolles.

Ist die Skepsis mittlerweile verschwunden?
Ja, unsere Mitarbeiter haben dann schnell Freude bekommen am Sponsoring, als sie unser Logo in den Medien oder auf den Matchplakaten sahen – und dann kam sogar vielleicht ein bisschen der Stolz dazu. Man sieht MVM oft. Das ist für uns, dies sage ich offen, auch wichtig, um in dieser Saison nochmals SCK-Hauptsponsor zu sein. Wir haben von dieser Zusammenarbeit bisher profitiert und konnten unseren Bekanntheitsgrad steigern.

Das ist MVM

Das Tätigkeitsgebiet des SCK-Hauptsponsors reicht von Maler- und Gipserarbeiten, dem Fassadenbau bis zum Einbau von fugenlosen Wand- und Bodenbelägen. «Wir bekommen Grossaufträge wie momentan beim Palace Engelberg Titlis oder der Überbauung Himmelrich in Luzern. Daneben haben wir aber auch viele kleine, private Auftraggeber. Das ist eine Philosophie von uns, wir übernehmen Grossaufträge aber auch sehr viele kleine Aufträge von Privatpersonen», sagt Sascha Ziswiler.

Bei der MVM AG sind 140 Menschen angestellt, davon befinden sich 12 in der Ausbildung.

Das Unternehmen ist gesamtschweizerisch tätig, macht aber rund 80 Prozent seines Jahresumsatzes, zwischen 25 und 30 Millionen Franken, in der Zentralschweiz. In Cham hat MVM eine Zweitniederlassung, zum Unternehmen gehört auch die SPZ AG, spezialisiert auf Strahltechnik und Trockeneistechnik.

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