Wie Krassimir ins Kleinfeld kam

Krassimir heisst der kleine Glücksigel des SC Kriens. Er hockt seit 1997 bei jedem SCK-Spiel an der Seitenlinie und schuld daran ist Erika Kuhn.

Die Geschichte von Erika Kuhn und dem SC Kriens beginnt in einer Zeit, als der Fussball noch viel Handgestricktes hatte. Besonders im Kleinfeld. Für ein Fussballspiel in der NLB brauchte es nicht viel mehr als ein Feld, elf Spieler und zwei Tore. Sportliche Kriterien waren entscheidender, als die vorhandene oder eben fehlende Stadioninfrastruktur.

Das Kleinfeld erlebte regelmässig Abende mit drei-, viertausend Zuschauern und Kriens kannte man in der Schweiz vor allem Dank seinem Fussballverein. Gut, das ist heute noch so, aber der Verein hat sich gewandelt, er musste sich in gewissen Bereichen professionalisieren und das Kleinfeld den Anforderungen des Verbandes anpassen.

Erika Kuhn hat diese Veränderungen aus der Ferne mitverfolgt, und den Aufschwung ihres SC Kriens in den letzten Jahren wohlwollend und als Fan am Spielfeldrand mitverfolgt. Wobei, irgendwie war ein bisschen Erika Kuhn immer hautnah mit dabei an den Spielen der 1. Mannschaft – in der Garderobe und auf der Spielerbank. Ob Sieg oder Niederlage, 1. Liga Classic oder Challenge League.

Krassimir heisst dieses «Bisschen» Erika Kuhn und es steht seit 1997 als Maskottchen des SC Kriens im Einsatz. Sie kreierte den Igel mit dem grünweissen Schal, das inoffizielle Wappentier des Vereins. Das seine Schöpferin auf Lebzeiten und wohl auch darüber hinaus an den SC Kriens binden wird. Dabei war Kriens keine Liebe auf den ersten Blick für Erika Kuhn. Ihr Mann wurde vom Schweizer Militär dorthin versetzt. «Zuerst gefiel es mir hier gar nicht, und unseren drei Kindern auch nicht. Vorher hatten wir ein Haus, in Kriens wohnten wir in einem Block.» Auch fehlte ihr das soziale Umfeld, die Freundschaften.

Das  änderte sich, als ihr fussballbegeisterter Mann im Kleinfeld Juniorentrainer wurde und Erika Kriens so von seiner schönsten Seite kennenlernte. «Wir wurden zur Fussballfamilie, unsere Kinder wuchsen fast im  Kleinfeld auf. Mein Mann und meine Kinder auf dem Feld. Ich daneben, sprich im Stadionrestaurant.» Und wenn im Winter der Hartplatz im Kleinfeld jeweils mit Wasser bespritzt und so zur Eislauffläche wurde, führte Erika Kuhn die dazugehörende kleine Kaffeebar.

Zuerst gaben wir ihnen Bachblüten, aber das nützte nichts

Die Erinnerungen aus dieser grünweissen Zeit sind bei Erika Kuhn auf Knopfdruck abrufbar. Im Gespräch mit ihr fühlt man sich in diese goldenen 90er Jahre im Kleinfeld zurückversetzt, als sich der Verein zweimal in die höchste Liga des Landes spielte und sich mit seiner Juniorenarbeit einen Namen in der ganzen Schweiz machte. Es sind jene Jahre, die den Verein bis heute prägen und die irgendwie immer mitschwingen, wenn man sich über die Geschichte des SC Kriens unterhält. In schlechten Zeiten waren und sind sie für viele ältere Fans des SC Kriens ein gedanklicher Rückzugsort.

 

Sie litt mit, wenn es nicht lief, schaute dabei aber nicht untätig zu, sondern versuchte zu helfen, wenn sich sportliche Miseren abzeichneten – wie in der Saison 1997/98 nach dem zweiten Aufstieg in die Nationalliga A, als der SCK nach einer guten Vorrunde den Anschluss an die Finalrundenplätze zu verpassen drohte. «Zuerst gaben wir ihnen Bachblüten, aber das nützte nichts. Ich habe ihnen aber immer wieder gesagt: Ihr seit zu lieb, zeigt mal eure Stacheln.» Sie beliess es aber nicht einfach bei dieser Aussage, sondern begann zu zeichnen und lieferte die physische, stachelige Form ihres Mottos gleich mit.

Bei einem Kollegen stiess sie auf eine Kartonschachtel voller Plüschigel. 200 Stück. Problem: Es waren blaugelbe Davoserigel. Erika Kuhn wusch die sie, shampoonierte sie auf der Terrasse und nähte zusammen mit Freuden grünweisse Kleider. Der damalige SCK-Trainer Joch Dries amtete als Taufpate. Dann wurden die kleinen Igel verkauft. Nach 30 Minuten gabs keine mehr und ess kam ein schöner Betrag für den SCK zusammen.

Ich werde auch noch im Rollstuhl an die SCK-Spiele gehen

Genützt habe Krassimir dem SCK damals in der NLA-Saison zwar schon, sagt Erika Kuhn, aber halt einfach nicht genug. Aber um ein Haar verhinderte der SCK den von vielen Fussballexperten vor Saisonbeginn prognostizierte Abstieg aus der Nationalliga A.

Der Mannschaft schenkte Erika Kuhn ein etwas grösseres Igel-Exemplar. Krassimir. «Wir benannten ihn spontan nach Krassimir Balakov. Der spielte damals bei Stuttgart und tat das mit einer unglaublichen Eleganz und sehr viel Erfolg.» Seither gehört Krassimir zum SC Kriens. Auch in dieser Challenge-League-Saison wird er von SCK-Masseurin Liliane Brun gehegt und gepflegt und sitzt stets neben ihr auf der Spielerbank.

Und Erika Kuhn? «Ich werde auch noch im Rollstuhl an die SCK-Spiele gehen, falls ich denn mal einen brauchen werde. Aber ich unterstütze meinen SC Kriens immer.» Momentan tut sie das sogar sehr konkret. Mit selber «ghögglete», grünweisse Strickkappen. 200 liegen schon bereit, alle in Handarbeit hergestellt, und können bald im neuen SCK-Shop gekauft werden. «Wenn der SC Kriens mit dem Verkauft meiner Kappen auch nur einen Wasserhahn in der Dusche des neuen Stadions Kleinfeld finanzieren kann, hat sich diese Arbeit für mich gelohnt.»

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