Vom Hobby zum Beruf

Vreni Sigrist und Ueli Mattmann arbeiten bald im Kleinfeld. Nicht wie bisher ehrenamtlich, sondern hauptberuflich. Eine Premiere für den SC Kriens und viel Neues für die zukünftigen Angestellten.

Die Sonnenstrahlen dringen nur spärlich durch das Baugerüst, das sich wie ein Eisengitter um das neue Stadion Kleinfeld schwingt. Im Innern: Karg die Wände, karg die Decken. Die neue Heimat des SC Kriens füllt sich nur langsam mit Leben. Der Ausbau des Restaurants, der Garderoben, der Büroräumlichkeiten, all das, soll dem rohen Neubau bald mehr und mehr grünweissen Geist einhauchen. In absehbarer Zeit werden keine Bauarbeiter mehr durch die langen Gänge huschen, sondern Junioren, Fans, Zuschauer, Sportler oder Sportschüler. Sie alle werden dann Vreni Sigrist und Ueli Mattmann im Kleinfeld regelmässig über den Weg laufen.

80 Jahre. Solange gehen die beiden im Kleinfeld zusammengerechnet schon ein und aus. Das ist ein ganzes Leben. Ueli Mattmann startete als SCK-Junior, da war er knapp fünf Jahre alt. Vreni Sigrist ungefähr 20 Jahre später, als ihre Kinder im Kleinfeld kickten. Beide engagierten sich in verschiedenen Bereichen für den Verein. Stets ehrenamtlich. Heute ist Ueli Mattmann der unabkömmliche Materialchef beim SCK. Vreni Sigrist leitet seit Jahrzehnten die Geschicke der SCK-Restauration. Und nach 80 Jahren Ehrenamtlichkeit werden Vreni Sigrist und Ueli Mattmann ab diesem Sommer mit der Arbeit im Kleinfeld ihren Lebensunterhalt verdienen, ab diesem Sommer ist das Kleinfeld ihr neuer Arbeitsort.   

Das Hobby wird zum Beruf. Der SC Kriens, sprich die Kleinfeld AG, zur Arbeitgeberin. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte des SC Kriens arbeiten Menschen in einem Vollzeitpensum für den SCK, die mit ihrer Tätigkeit keinen direkten Einfluss auf die sportliche Entwicklung des Vereins haben. Also weder Trainer, Sportchef noch Spieler sind. Diese Premiere wird nötig, weil das neue Stadion zwar weiterhin die Heimat eines Fussballvereins ist, aber eben nicht nur. Schüler sitzen dort in den Klassenräumen, Sportbegeisterte im ONE Fitness Center auf ihren Ergometern.

Das Leben im Kleinfeld beschränkt sich nicht auf den Fussball und seinen Tagesrhythmus. Das Restaurant ist mehr als die Stadionbeiz für ein, zwei Stangen Bier und ein Salami-Sandwich nach dem Training. Passanten werden dort morgens Kaffees trinken, über 100 Sportschüler werden mittags im Kleinfeld speisen und Leute werden abends vielleicht, oder hoffentlich zum Essen erscheinen.

Aber es ist eine einmalige Chance, das als Beruf weiterzuführen, was ich mir in den vergangenen Jahren in meiner Freizeit aufgebaut habe (Verni Sigirst)

Anstatt dabei auf vereinsfremde Personen zu setzen, die vielleicht mehr Berufserfahrung oder Branchenkenntnis vorweisen könnten, bedient sich der SC Kriens in den eigenen Reihen und  verteilt die neuen Aufgaben auf altbekannte Schultern. Das ist Ausdruck eines intakten Familienlebens. Vreni Sigrist wird mit der Leitung des Restaurants anvertraut. Ueli Mattmann wird Betriebsleiter, also verantwortlich für Technik, Unterhalt und die Bewirtschaftung des Gebäudes. Ihre bisherigen Jobs haben beide mittlerweile gekündigt.

«Meine Stelle aufzugeben fiel mir schwer», sagt Vreni Sigrist. Sie sitzt im behelfsmässig eingerichteten Container, indem während des Stadionbaus das kleine Restaurant untergebracht ist. Seit Baustart führt sie zusammen mit ihrem Team die SCK-Gastronomie – im Kleinfeld und bei den Heimspielen im Stadion Gersag. «Aber es ist eine einmalige Chance, das als Beruf weiterzuführen, was ich mir in den vergangenen Jahren in meiner Freizeit aufgebaut habe.» Sie hat dem Verein deshalb grünes Licht gegeben, bevor sie ihren neuen Arbeitsvertrag detailliert gelesen hatte.

In ihrer Freizeit lernt Vreni Sigrist nun für die Wirteprüfung, die sie bei Arbeitsbeginn im August in der Tasche haben will. «Unser Kleinfeld-Restaurant wird öffentlich zugänglich sein, daher braucht es eine entsprechende Zertifizierung.» Daneben laufen die Planungen und Abklärungen für das Stadionrestaurant auf Hochtouren. Das kulinarische Angebot wird besprochen, die Öffnungszeiten definiert, die Abläufe festgelegt und das für den Betrieb nötige Personal organisiert. «Ich kann glücklicherweise weiter auf mein ganzes Helferteam zählen, das verschafft mir den nötigen Rückenwind für die Vorbereitungen.»

Feuerwehrübungen können vorkommen, darauf bin ich vorbereitet (Ueli Mattmann)

Ihre Helferinnen und Helfer erwähnt Vreni Sigrist oft. Das SCK-Gastroteam bestehend aus rund 50 freiwilligen Helferinnen und Helfern. Eine eingespielte Truppe mit viel grünweissem Herzblut. «Ihnen war es ein Anliegen, dass wir alle zusammen ins neue Kleinfeld ziehen. Dass dieselben Gesichter Würste grillen und Bier ausschenken, wie früher im Kleinfeld. Ich denke das ist wichtig.» Dennoch wird Vieles neu sein. Die grosse, eigene Küche, der Betrieb unabhängig von Trainings- und Meisterschaftsspielen.  Weiter sind die Räumlichkeiten unter der Woche für Sitzungen oder Firmenanlässe, Geburtstagspartys oder Generalversammlungen mietbar. Hinzu kommt der Spagat zwischen öffentlichem Restaurant und Clubbeiz. «In erster Linie ist es die SCK-Clubbeiz des, das soll man merken und das macht diese Lokalität vielleicht auch zu etwas Besonderem.» 

Während Vreni Sigrist über ihre Zukunft im Kleinfeld erzählt, sitzt Ueli Mattmann daneben, lauscht den Ausführungen, kommentiert sie und sagt immer wieder «das esch eso». Die beiden zukünftigen Kleinfeld-Angestellten haben dieselben Wellenlänge, ihr gemeinsames Hobby hat sie miteinander vertraut gemacht. «Klar, über all die Jahre ist etwas zusammengewachsen hier. Man kennt sich, kennt die Charakterzüge und Ansichten des anderen. Und wir wissen, wie wir miteinander arbeiten müssen.» Mehr noch als Vreni Sigrist, wird Ueli Mattmann mit seinem Stellenantritt Neuland betreten.

Denn Betriebsleiter heisst auch: «Mädchen für alles». Zumindest bis sich alle Kleinfeld Bewohner eingelebt haben, die Abläufe aufeinander abgestimmt sind und die angedachte Organisation greift.  Einen Betriebsleiter gabs im Kleinfeld so noch nie. Ueli Mattmann sät sich seinen beruflichen Nährboden damit selbst. «Wir beginnen bei null.» Sein Erfahrungsschatz aus der Arbeit als Speditionsleiter beim Industriebetrieb Emerell wird ihm helfen. Vieles wird sich aber erst nach seinem Stellenantritt ergeben. «Feuerwehrübungen können vorkommen, darauf bin ich vorbereitet.»

Der langjährige SCK-Materialwart, dieses Amt wird Ueli Mattmann auch weiterhin ausüben, geht mit einer Portion Respekt an seine neue Arbeit im Kleinfeld heran. Vielleicht auch mit ein bisschen Demut. «Es ist nicht selbstverständlich, dass wir einen solchen Bau bei uns in Kriens haben.» Deshalb sei ein bisschen Demut, für das was zur Errichtung dieses Stadions geleistet wurde sicher nicht falsch.

Ende 2017 trat SCK-Präsident Werner Baumgarter an Ueli Mattmann heran und erklärte ihm seine Ideen für den Posten eines Betriebsleiters. «Ich merkte in den Gesprächen mit Werni und meinem nahen Umfeld schnell, dass ich das machen will. In meinem Alter nochmals so eine Chance zu bekommen ist einmalig. Auch wenn mich beim Gedanken an den Abschied bei Emerell Wehmut befällt.»

Mit unserer Arbeit legen wir in diesem neuen Stadion den Grundstein für die nächsten SCK-Generationen (Ueli Mattmann)

Was bei Ueli Mattmann, und selbstverständlich auch bei Vreni Sigrist, erleichternd dazu kommt, ist das Ende der Doppelbelastung. Job und SCK. «Wir beide können unsere Energie nun einer Sache widmen, dem SC Kriens, und müssen nicht mehr zwischen zwei Jobs jonglieren», sagt Ueli Mattmann, froh zukünftig nur noch einen Job ausüben zu dürfen. Wohl wissend, dass ihnen das Arbeitsleben im Kleinfeld einiges Abverlangen wird.

Das Wort passt eigentlich nicht so richtig zum SC Kriens, aber selbstverständlich braucht es im Kleinfeld in gewissen Bereichen eine Professionalisierung. Nicht zuletzt, um die Ehrenamtlichkeit am Leben zu erhalten. «So gesehen schaffen Vreni und ich auch für die Zukunft. Das heisst, mit unserer Arbeit legen wir in diesem neuen Stadion den Grundstein für die nächsten SCK-Generationen, die nachrücken und sich an unserer Arbeit und dem Einsatz orientieren», sagt Ueli Mattmann. «Die Nachfolgeregelung ist für mich ein wichtiger Punkt. Bis zu meiner Pensionierung werde ich hoffentlich im Kleinfeld arbeiten, und in dieser Zeit die Weiterführung meiner und unserer Arbeit beim SC Kriens sicherstellen», ergänzt die aktuelle und zukünftige Gastro-Chefin.    

Mit Vreni Sigrist und Ueli Mattmann übernehmen Menschen mit grünweissem Herzblut Verantwortung beim SC Kriens. Das ist gut so, denn der SCK braucht diese bekannten Gesichter und Menschen, die für ihn einstehen, und vielleicht stellvertretend für alle Menschen, die sich zukünftig ehrenamtlich im Kleinfeld für den SC Kriens engagieren.

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