«Spielstarke Gegner lieben es im Kleinfeld zu spielen»

Der Ligaerhalt sei für den SC Kriens höher einzustufen als der Aufstieg vor einem Jahr, sagte Bruno Berner nach dem Spiel in Genf. Im Interview blickt der SCK-Cheftrainer zurück auf seine erste Challenge-League-Saison, den Einbruch kurz vor dem Ziel und das professionelle Schaffen im Kleinfeld.
 
Bruno Berner, du hast dich nach dem Spiel gegen Lausanne noch nicht auf den Ligaerhalt festlegen wollen. Ab welchem Zeitpunkt in Genf hast du gewusst, das Ding ist durch?
Nach unserem Ausgleich. Meine Spieler mussten mich überzeugen, dass sie den verdienten Super-League Aufsteiger Servette nicht in einen Spielrausch kommen lassen wollen. Anhand der ersten Halbzeit konnte ich ihre Einstellung sehen und spüren. Wir spielten eine richtig gute erste Halbzeit in Genf, dies in unserem 39. Spiel. Und natürlich kannten wir dann auch die Zwischenresultate der anderen Spiele.
 
Hast du ein Lieblingsspiel der Saison?
Nein. Aber gegen den FC Aarau spielte ich gerne (lacht). Vier Punkte holten wir im Brügglifeld, da darf man unseren Spielern ein grosses Kompliment machen. Und sicher bleibt der erste Saisonsieg zu Hause im Kleinfeld gegen den FC Winterthur für immer in Erinnerung.
 

 
Welche Faktoren waren ausschlaggebend für den achten Tabellenlatz?
Unser grosses Herz, das geschlossene und solidarische Kollektiv, die Stabilität verbunden mit der nötigen Geduld im Spiel und dem Mut zum dosierten Risiko. Und Nico Siegrists Anteil an den erzielten Toren.
 

Gewisse Leute wurden genügsam und zufrieden

 
Nach der 28. Runde lag der SC Kriens auf Rang 6 mit 34 Punkten. Viele dachten, jetzt spielen sie das ruhig nach Hause. Wieso wurde es nochmals so knapp?
Weil wir das eben nicht ruhig nach Hause spielen können, nicht diese Mannschaft, nicht in dieser Saison. Gewisse Leute wurden genügsam und zufrieden, obwohl wir noch nichts erreicht hatten.
 
Wie erklärst du dir diese Durststrecke nach dem so erfolgreichen Start in die Rückrunde.
Als Aufsteiger haben wir aufgehört unsere Gegner konsequenter herauszufordern. Unsere Gegner haben uns in keinem Viertel so ernst genommen wie im Letzten. Wir hatten grosse Mühe Tore zu schiessen und kaum mehr Überraschungsmomente in der Vorwärtsbewegung, wir wurden lesbarer und unser Durchsetzungsvermögen litt deutlich.
 

 
Besonders in den Heimspielen blieb der SCK einiges schuldig, hast du eine Begründung dafür? 
Wir schulden niemandem etwas. Aber ja, meine Mannschaft spielte auswärts befreiter auf. Da sind wir mit unseren 21 Punkten in den Top Fünf der Liga. Zu Hause bestimmen wir das Spiel noch nicht so wie ich es mir vorstelle.
 
Liegt das auch am neuen Stadion?
Mit unserem ersten Heimspiel im Kleinfeld gegen den FC Schaffhausen wurde ein wunderbares Stadionprojekt realisiert, doch von der sportlichen Seite her betrachtet war es sehr unruhig, hektisch und chaotisch. Hinzu kam die Gewöhnung an den Kunstrasen-Fussball auf dem zur Zeit besten Kunstrasen der Schweiz. Spielstarke Gegner lieben es im Kleinfeld zu spielen, nicht aber zum Beispiel in Chiasso auf dem  holprigen Rasen. Man muss auch sehen, dass wir von den neun Heimniederlagen sechsmal mit einem Tor Unterschied verloren und bei den sechs Unentschieden müssten wir vier Mal als Sieger vom Platz gehen. Was man zudem nicht vergessen darf, unsere ersten drei «Heimspiele» spielten wir in der Swissporarena in Luzern.
 

 
Was muss sich ändern?
Ich werde unsere Heimspiele in der Sommerpause sicher akribisch analysieren und die entscheidenen Schlüsse daraus ziehen. Ich freue mich riesig, dass ich die Mannschaft in meinem kommenden dritten Jahr als SCK-Trainer auch in dieser Hinsicht verbessern darf.
 

Jahr für Jahr ums Überleben kämpfen, wäre zu wenig ambitioniert

 
Der SCK hat das tiefste Budget aller Challenge-League-Mannschaften. Profifussball ist nicht möglich. Wie professionell ist der SCK trotzdem?
Zuerst gilt es «professionell» zu definieren. Das können die wenigsten. Profis sind für mich nicht automatisch professionell. Ich beschreibe es mal so: Viele Profi-Vereine haben klar mehr, holen aber wenig heraus. Der SCK hat weniger, holt aber viel aus seinen Möglichkeiten heraus. Wobei ich hier noch einen philosophischen Gedanken anführen möchte. Mir geht es in erster Linie nicht um das «haben», sondern um das «sein». Somit wären wir wieder bei der Menschlichkeit. Solange der SC Kriens neugierig, offen, vorwärtsdenkend- und handelnd bleibt, wird er sich stets verbessern. Das ist auch nötig um sich in der Challenge League zu etablieren, denn Jahr für Jahr ums Überleben kämpfen, wäre auch für mich zu wenig ambitioniert.
 
In welchen Bereichen sollte es Anpassungen geben?
Die eben angesprochenen Offenheit wird erneut gute Entscheide hervorbringen. Hier ist natürlich der Sportchef und auch die Geschäftsleitung entscheidend. An dieser Stelle möchte ich mich aber noch bei unserem selbständigen, unabhängigen Universal-Coach bedanken, Erich Föllmi. Er war sehr wichtig für uns mit seiner enormen Energie, seinen genialen Ideen und deren Umsetzungen. Und vor allem war er immer mit enorm viel Herz mit der 1. Mannschaft verbunden. Danke Erich.
 

 

Zahlen zur Saison

  • 46 Tore erzielte der SC Kriens insgesamt, 20 im Kleinfeld, 26 in der Fremde – das ergibt eine Trefferquote von 1.2 Toren pro Spiel. Dafür gab das Team von Bruno Berner insgesamt 410 Torschüsse ab, 145 gingen dabei aufs gegnerische Tor.
  • Auf 35 Einsätze brachten es Jan Elvedi und Saleh Chihadeh und sind damit die beiden SCK-Spieler mit den meisten Spielminuten in der abgelaufenen Saison.
  • 43.7 Prozent Ballbesitz hatte der SC Kriens in den 36 Spielen im Durchschnitt.
  • Im Durchschnitt besuchten 1403 Zuschauer die Heimspiele des SC Kriens. Der SCK liegt damit hinter Servette (4327), Winterthur (3606), Aarau (3306) und Lausanne (3058) im Mittelfeld der Liga. Ligadurchschnitt: 2159 Zuschauer.
  • 67 gelbe Karten kassierte der SC Kriens in der ganzen Saison. Nur Leader Servette erhielt weniger Verwarnungen (55). Der SC Kriens beging total 427 Fouls (11.8 pro Spiel) und wurde selber 405 Mal gefoult. Am meisten Fouls, nämlich 21, beging der SCK übrigens beim ersten Sieg im Kleinfeld (2:0) gegen den FC Winterthur.
  • 24,6 Jahre betrug der Altersdurchschnitt des SCK-Kaders. Zum Vergleich: Jener der Challenge League liegt bei 24,7 Jahren.
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