Nur eines ist sicher: Es wird eine phantastische Saison

Saison-Neustart ist eine flimmrige Zeit. Sie erinnert etwas an die Pubertät, wenn man bis unter die Hirndecke mit Hormonen überflutet wird und mit seiner Sehnsucht (oder Triebe) nicht mehr weiss wohin.

Von Oliver Kraaz

Das Wetter ist mild, Transfers sind noch nicht gefloppt und alle behaupten noch vollmundig, dass «man noch nie so hart trainiert hat wie auf diese Saison hin» (im Herbst bei den Trainer-Entlassungen sind es dann die gleichen Stimmen, die nun festhalten, man habe die Defizite schon bei der Vorbereitung entdeckt).

Also, wir stellen nüchtern fest:  2019/20, zweite Saison in der zweiten Bel Etage des Schweizer Fussballs. Wir haben ein wenig Feinjustierung vorgenommen, am Stadion, am Team und bei den Pommes-Frites. Haben aus gut unterrichteten Quellen vernommen, dass ein Klub aus Zürich mit einem Minibudget von 13 Millionen neu in der Challenge League ist und sofort wieder aufsteigen möchte. Notfalls auch mit 18 Geisterspielen daheim und dem gesamtem Sicherheitsaufgebot von Donald Trump im Rücken.

Röbi Koller könnte so auf SRF 1 in «Happy Days» nebenbei noch den Super League-Aufsteiger ermitteln.

Beim Gedanken, wer aufsteigt und wer nicht, denkt man natürlich gleich mit einer fröhlichen Spur Schadenfreude an die Barrage. Barrage! Die Stunde des Wahnsinns! Eigentlich müsste man die ganze Saison nur Barrage spielen, dann wären wir die Gurkenspiele los, bei denen «taktisch interessant» gespielt wird, wie die Teleclub-Experten gegen das Koma ankämpfend uns ein 0:0 andrehen wollen.

Ganz ehrlich: Ich verliere lieber 5:8 als 0:0 zu spielen – gut, wenn man am Schluss alle Tore, gelbe Karten und Frisuren-Noten über Auf- und Abstieg entscheiden, natürlich nicht. Schlimmer ist es da nur in Deutschland: Da hat man in der Regionalliga (4. Liga) so viele Gruppen und einen komplizierten Modus, dass man sich letztes Jahr entschieden hatte, direkte Aufsteiger und Aufsteiger durch Losziehung zu ermitteln.

Ist doch grossartig, oder? Röbi Koller könnte so auf SRF 1 in «Happy Days» neben Zusammenführung von 89-jährigen, aber immer noch verliebten, Senioren nebenbei noch den Super League-Aufsteiger ermitteln. Wäre auf jeden Fall gesünder, als mit einer 4:0-Führung aus dem Hinspiel noch alles zu vergurken, während sich die Blasmusik vergebens auf dem Dorfplatz für die Aufstiegsfeier warmtrötet.

Fussball und Spieler mit Herz, die auf tutti gehen, weil Fussball einfach aus dem Bauch kommt.

Kommt mir gerade in den Sinn, dass es in der DDR noch lustiger war: Wenn da jemand aufgestiegen ist, der den Politbossen nicht passte, wurde einfach kurz der Verein aufgelöst oder an einen andern Ort verpflanzt. Wo keine Sau zuschaut, damit es ja allen verleidet. Spielern und Zuschauern.

Ah ja, was ich mir von der Saison von meinem SC Kriens erhoffe? Fussball und Spieler mit Herz, die auf tutti gehen, weil Fussball einfach aus dem Bauch kommt. Und dann hoffe ich, dass es bald auch eine vegetarische Wurst auf dem Grill gibt. Kann auch erst in der Aufstiegsbarrage sein.

Sonntag geht es also los. 16:00 Uhr, wir gegen Vaduz. Und niemand hat gesagt, dass man so hart trainiert habe wie noch nie. Das ist ein gutes Zeichen. Das wird eine phantastische Saison.

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