Nicht mit uns

Von Oliver Kraaz Nein, dem Fussball selber geht es nicht ans Lebendige. Das Spiel Fussball ist unzerstörbar. Was jetzt in seinen Grundfesten erschüttert wird, ist der absurde Zirkus, der nur noch gegen aussen das Etikett «Fussball» trägt. Eine Industrie, die jeglichen Bezug zur Realität und gegenüber der Gesellschaft verloren hat.

Wer das hysterische Drängen der englischen oder deutschen Klubs nach Geisterspielen sieht, könnte meinen, Fussball sei ein Impfstoff. Wir haben Corona noch nicht überstanden, und was macht die Fussball-Industrie? Will weiterspielen, um jeden Preis, egal, wie es dem Rest der Welt geht. Menschen ohne Jobs? Egal. Kranke Menschen im Spital? Kann passieren. Ungeklärte Risiken bei einer zu schnellen Öffnung? Papperlapapp.

Sind die Menschen in den Pflegeberufen die Sympathie-Gewinner der Krise, ist der Fussball der grosse Verlierer. Er ist pleite. Sympathie-Pleite.

Während die Quarantäne die Ausbreitung einer Krankheit verhindert, sprich uns allen nützt, hat die Quarantäne nicht allen im Fussball gut getan. Ein Beispiel: Berti Vogts, ex-DFB-Trainer, empfiehlt allen Ernstes, dass der Staat (!) die privaten Fernsehrechte an den Geisterspielen abkauft, damit alle Menschen diese Stummfilm-Partien im Fernsehen schauen können. Dann würde es allen besser gehen. Sagt Berti.

Ich dachte: Warum nicht gleich die «Glückskette» und die Nationalbank zu einer Milliarden-Spende aufrufen, damit Menschen am Rande der Gesellschaft wie Ronaldo oder Neymar & Co. auch in der Krise ein menschenwürdiges Leben führen können?

Freunde, wir reden von einem Ballspiel.

Ja, die Krise geht ans Eingemachte. Auch bei uns beim SC Kriens. Wenn man knapp 2’500 Franken als Fussballer verdient und diese fallen weg, dann wirds eng. Profifussball ist nicht gleich grosse Kohle. Dummerweise glauben das viele Menschen ausserhalb des Fussballs gar nicht mehr.

Aber wir wollen gleichzeitig in diesen Tagen Anstand bewahren. Gegenüber jenen, denen es noch schlechter geht als uns.

Sind die Menschen in den Pflegeberufen die Sympathie-Gewinner der Krise, ist der Fussball der grosse Verlierer. Er ist pleite. Sympathie-Pleite.

Wir wissen in Kriens nicht, wie wir das alles überstehen werden. Eines ist klar: Den Verein wird es weiter geben. Dafür tun wir alles. Aber wir wollen gleichzeitig in diesen Tagen Anstand bewahren. Gegenüber jenen, denen es noch schlechter geht als uns.

Halten wir zusammen, bleiben wir fair. Wir kommen da raus.

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