Jahresrückblick – Zur Lage der Fussball-Nation

Von Oliver Kraaz

Weihnachtspause ist dann, wenn im Fernsehen statt Fussball Darts-WM läuft oder wenn die einen ihre Weihnachts-Pyjama umtauschen und die andern noch einen Trainer fürs neue Jahr suchen.

So hat jeder zu tun. Wobei: Schöne Pyjamas findet man im Umtausch immer wieder. In Sachen guten Trainern kann es um die Weihnachtszeit schon schwieriger sein. Noch schwieriger gestaltet sich die Suche nach guten Trainern in schönen Pyjamas.

Was bleibt also vom Fussball-Jahrgang 2019. War’s ein guter?
Aus Krienser Warte würde ich sagen: Auf jeden Fall! Im 75-Jubiläumsjahr hat sich der SC Kriens zur Winterpause stinkfrech auf den 3. Platz der Challenge League gespielt. Wer etwas von Fussball versteht, muss zugeben: Das ist zu vergleichen mit einer Viertelfinal-Qualifikation unserer Nati an einem ernstzunehmenden Turnier – also etwas, was in 100 Jahren kaum eintrifft. Der SC Kriens hat es trotzdem geschafft. Da können wir jetzt einfach nur bolle stolz sein. Punkt.

Wir sollten als Fan genauer hinschauen, was wir mittragen

Und sonst? Schwierig. Fussball macht Freude, aber auch immer mehr Bauchweh. Unanständige Löhne und Ablösesummen, unanständige Topverdiener hier, ausblutende Amateurvereine auf der andern Seite. Ende November vermeldete der FC Sarnen, dass er sich vielleicht auflösen muss. Grund: Keine Ehrenamtlichen, die etwas zum Fussball abseits der fiebrigen Champions League-Scheinwerfer beitragen wollen.

Warum sprechen wir hier vom FC Sarnen? Weil der FC Sarnen wichtiger ist als beispielsweise Manu, Barcelona, Juve, ManCity oder wie all die Unternehmen mit Vereinsnamen heissen. Nein, das hat jetzt nichts mit Glorifizierung des Amateurfussballs zu tun. Denn: Wo dürfen Kinder erstmals ein Fussball-Dress überstreifen, egal ob sie ein Wunderkind sind oder nicht? Wo ist man wirklich Teil eines Vereins und nicht nur Kunde? Den Spitzenklubs ist der Fan so egal wie der Zuschauer einer DVD.

Man würde wohl auch auf dem Mond spielen…

Ja, es geht darum, dass dem Fussball der Boden entgleitet. Er ähnelt einem Betrunkenen, der mit 4,5 Promille und einer halbvollen Flasche Jägermeister in der Hand auf der Autobahn torkelt und die Lichthupen ignoriert. Wir sollten als Fan genauer hinschauen, was wir mittragen.

Beispiel: 2020 findet eine sogenannte EM-Endrunde statt. Faktisch sind fast alle Nationen ausser der Vatikan, Legoland und die rätoromanische Schweiz dabei. Gespielt wird in 12 Ländern (nicht Städten). Die Schweiz spielt in Baku und Rom. Man würde wohl auch auf dem Mond spielen, wenn die NASA eine Stadion- Baubewilligung erteilt hätte.

Bis zum Turnierstart gibt es dann hoffentlich den FC Sarnen noch. Und wer weiss, wo wir dann in der Challenge League stehen. Ohne Millionenspritze über die Winterpause aus einem Investoren-Fonds. Ohne Verstärkungen aus dem oberen Segment. Sondern einfach so, wie wir sind.

So oder so: Was immer wir tun, wir halten es mit Hertha BSC-Legende Jürgen Röber, der selbst in einer Siegesserie noch warnte: «Wir müssen mit dem Boden auf den Füssen bleiben.» Recht hat er. Euch allen ein gutes 2020 – wir sehen uns im Kleinfeld.

 

Hinweis in eigener Sache: Im neuen Jahrzehnt bloggt Oliver Kraaz monatlich auf sckriens.ch. Er blickt in seinem neuen Blog «92. Minute» auf das sportliche und gesellschaftliche Treiben im Kleinfeld zurück und hält uns über den Stadionbau auf dem Mond auf dem Laufenden. Wir freuen uns.

 

 

2 Antworten

  1. Thomas Löu

    Ein super Kommentar über den Fußball.
    Ich freue mich,auf die nächste Rückrunde und wünsche dem SCK ein guten Rutsch ins neue Jahr.Und viele Erfolg.
    Jungs ihr seid Geili sieche!!!!
    Bin auf die nächsten Kommentare von Oliver Kraaz sehr gespannt was wir über den SCK und den Internationalen /Nationalen Fußball zu lesen bekommen!
    Danke
    Bis bald auf dem Kleinfeld.
    Come on Chriens

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