Fussball, du fehlst. Oder: Tipps zum Überleben

Von Oliver Kraaz Heute habe ich die Zeitung gepackt, den Sport aufgeschlagen und aus irgendeinem wahnsinnigen Grund gehofft, Spielberichte, Tabellen, Matchtelegramme und Fotos von Spielen zu entdecken. Natürlich nix.

Dann habe ich die Tipp Kick-Anlage aufgestellt, mit meiner Tochter fünf Runden gespielt (3 x Mal verloren, das auch noch) und Britpop gehört. Später auf Kindle das gefühlte 20. Fussballbuch runtergeladen: Die Geschichte eines feinen Kerls, der als Fan von Manchester United zu Bradford City «wechselte» und seither kein Spiel verpasst – und damit auch fast keine Niederlage. Bradford spielt in der League Two, 4. Liga.

Irgendwann schreibt er den schönen Satz, als die Mannschaft die 20 Fans im Auswärtsblock abklatscht: «Das ist es doch: Weshalb soll ich Fan eines Klubs sein, dem es egal ist, ob ich mit ihm fiebere oder nicht? Darum lieber Bradford als ManU.»

Mein Freund René lebt in Berlin, besser gesagt: Er lebt Union Berlin. Seit er mit 8 Jahren in der DDR mit seiner Grossmutter (!) das erste Spiel sah. Seit der Corona-Krise: Keine Spiele. Er schrieb gestern auf Whatsapp. «Das Leben steht still.»

Etwas zu vermissen ist der bittere Weg zu erfahren, wie sehr man es liebt. Sehen wir es positiv. Der Ball wird wieder rollen. Nicht zuletzt bei Vereinen wie unserem SC Kriens, dem es wichtig ist, dass man mit ihm fiebert. Via Zeitungen, Liveticker oder am besten: Im Stadion. Wir brauchen Euch wieder, wenn es los geht. Mehr denn je. In dem Sinne: Habt Mut. Bleibt daheim. Bleibt gesund.

PS: Fussball lesen tut gut. Hier ein paar Tipps:

Der Traumhüter (Ronald Reng)
Leese spielt bei den Sportfreunde Neitersen in der Kreisliga Westerwald (8. Liga). Mit 28 sicherte er mit seinen Paraden dem englischen Erstligisten Barnsley vor 40.000 Zuschauern einen 1:0-Sieg über den sechsmaligen Europacupsieger FC Liverpool. Und mit 32 ist er wieder da, wo er herkam – in der Anonymität. Lustig und erstaunlich, weil wahr.

Wolle: Ein Fan zwischen Ost und West (Alex Rack)
Wolfgang Großmann, genannt Wolle, sitzt in einer Zelle der Stasizentrale Dresden. Er ist Staatsfeind, weil er Fan des falschen Vereins ist – Fan von Borussia Mönchengladbach. Das klingt unglaublich. Wer das Buch liest, lernt vieles über die DDR, grosse Liebe, Wunsch nach Freiheit – und das Wünsche in Erfüllung gehen können.

«Ich mag, wenn’s kracht» (Jürgen Klopp)

Ich habs zuerst nur widerwillig angefangen. Moderne Fan-Bücher sind oft belanglos. Aber: Klopp ist ein Buch wert. Die Zeit in Liverpool fast unwesentlich, was aber in Mainz geschah, fasziniert. Klopp hat Erfolg, weil er vor allem Klopp ist. Klopp sein lässt sich nicht kopieren, aber etwas lernen. Sogar fürs Leben. Uff.

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