«Es kann nicht sein, dass nur die grossen Vereine von den besten Fussballtalenten profitieren»

Von einem Gerangel um die Plätze in unserer Startelf kann momentan keine Rede sein. Zehn Spieler fehlen uns heute für das Spiel gegen Aarau. Dementsprechend haben wir letzte Woche reagiert und die Liga in dieser Notlage gebeten, U21-Spieler unseres Partnervereins FC Luzern für die verbleibenden acht Spiele einsetzen zu dürfen – notabene junge Talente, die jahrelang im Kleinfeld gekickt haben, bevor sie mit 17 oder 18 Jahren zum FCL wechselten.

Die Liga hat dieses Gesuch als «chancenlos» zurückgewiesen und uns bleibt so in erster Linie die Hoffnung, dass die Verletzungshexe nicht erneut zuschlägt. Keine einfache Situation für Sportchef Bruno Galliker, denn eigentlich steht jetzt die Planung der kommenden Saison auf dem Programm.

Bruno Galliker, die Liga hat unser Gesuch als «chancenlos» bezeichnet, aus welchen Gründen?
Erstens lässt sich die sogenannte Härtefallregelung, um Spieler in einer Notlage zu verpflichten, nur anwenden, wenn die Spieler entweder durch COVID-19 arbeitslos wurden oder aber bereits in der letzten Transferperiode im Winter 2019/20 arbeitslos waren. Sie ist nicht dazu da, Spieler aus der Amateurliga oder einer U21-Mannschaft zu transferieren und zweitens lief der Termin für die Anwendung der Härtefallregelung bereits am 30. Juni ab, also bevor wir zum Beispiel die Ausfälle von Albin, Omer und Daniel hatten.

Ich bin aber schon einige Jahre in diesem Business und spüre wenn Änderungen anstehen.

Dass die Liga so reagiert kommt nicht überraschend. Sie hält sich an ihre Regeln. Zeigt unser Fall nicht vielmehr eine Schwachstelle in der Struktur der Partnerschaften im SFV-Ausbildungslabel auf. Bräuchte es nicht eine Art Doppellizenz, zumindest für alle U21-Spieler beim FCL mit SCK-Vergangenheit, damit diese «einfacher» zum Stammverein zurück wechseln könnten?
Definitiv hat das System grosse Schwachstellen und ist nicht zu Ende gedacht. Jene Personen, die dieses System ausgearbeitet haben, interessierten sich kein bisschen für die Vereine, sondern nur für die Ausbildung der Nachwuchsspieler. Die Mängel kommen nicht erst jetzt bei der Corona-Krise zum Vorschein, sie waren uns schon länger bekannt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht sein kann, dass nur die grossen Vereine von den besten Fussballtalenten in der Schweiz profitieren. Ich finde, dass die kleineren Vereine, wie wir es sind, sich dagegen wehren müssen.

Angenommen heute im Spiel gegen Aarau verletzen sich zwei SCK-Spieler, was angesichts der hohen Intensität nicht völlig unrealistisch ist, was dann. Gibt es einen Plan B?
Wir haben der Liga im Vorfeld des heutigen Spiels angekündigt, dass wir Forfait geben müssten, sollten wir keine 11 Spieler mehr zur Verfügung haben. Was die Konsequenten daraus wären, können wir aber noch nicht sagen.

Eigentlich wäre nun die Zeit für dich die kommende Saison zu planen, wie eingeschränkt bis du unter den aktuellen Umständen?
Die Situation ist noch immer sehr kompliziert. Kein Mensch kann heute sagen, wie und ob wir im September mit der neuen Saison beginnen werden. Das hat mich bis heute bei der Planung sehr eingeschränkt. Nach intensiven Gesprächen in der Geschäftsleitung kann ich nun aber mit einem defensiven Budget die ersten Schritt machen. Es geht jetzt unheimlich schnell. Die Saison ist in gut drei Wochen zu Ende und nach einer kurzen Pause beginnt die Vorbereitung für die nächste Spieldauer.

Du hast vor einigen Wochen am Fan-Abend im «1944» einem Umbruch bei der 1. Mannschaft gesprochen. Kann man heute sagen, wie umfangreich dieser Umbruch ausfallen wird?
Nein, ich kann noch nichts Definitives dazu sagen, weil ich auch noch keine Verträge für die neue Saison aushandeln konnte. Ich bin aber schon einige Jahre in diesem Business und spüre wenn Änderungen anstehen. Schauen wir mal was die Zeit bringt.

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