Bei der rotweissen Familie am Ostderby

Von Oliver Kraaz Vielleicht schielt unser Verband ja immer auf Deutschland, wenn er über die Gestaltung der Challenge League nachdenkt. Wer nämlich den Fussball in der 2. Bundesliga erlebt, der kommt ins Träumen. Selber erlebt. Ich war bei der Union Berlin («nie vergessen: Eisern!»), Spiel gegen Erzgebirge Aue. Ostderby mit unserem Ridge Munsy. 0:0. Klingt wenig verheissungsvoll, aber: Wer die alte Försterei mal erlebt hat, wie die Menschen ihr Herz ins Stadion bringen, wie es 90 Minuten lang hörbar schlägt, wer den Stolz erlebt, mit dem der weissrote Schal getragen wird – der wird berührt sein. Weil es den Fussball von der schönsten Seite zeigt. Fussball mit Seele.

Keine Marketing-Agentur könnte dies besser entwerfen. Und schon gar nicht umsetzen. Seele kommt nicht vom Reissbrett. Was Union so strahlen lässt, trotz mässiger Klassierung, trotz wenig Mitteln, das sind seine Wurzeln, die der Verein nicht vergisst. Er kommt aus dem Osten. Solidarität, Bescheidenheit, Gemeinsamkeit, darauf ist der Verein gebaut. Union ist auch das, was Menschen bleibt, wenn alles den Bach runter geht.

 

Ein Verein ist immer ein Stück Heimat. Vereinsverantwortliche müssen sich dessen bewusst sein. Dann würde manche Dummheit nie geschehen. Diesen Samstag spielen wir in der Promotion League gegen unsere Freunde des SC Brühl. Beides Vereine nach altem Schlag (andere sagen «altmodisch»). Der Vereinsgedanke steht über allem. Beide haben wir die Lizenz für die Challenge League beantragt. Was kein Widerspruch ist: Man kann sich treu bleiben und trotzdem den Erfolg anstreben. Einfach nicht um jeden Preis, sprich immer zum Wohle des Vereins.

Union Berlin baut übrigens sein Stadion aus. Nein, nicht wegen der eventuellen Bundesligasaison, sondern einfach weil immer mehr Leute in der rotweissen Familie sein wollen und heute draussen bleiben müssen. Bauen wird aber kein Konzern, sondern die Fans. Nach Feierabend. Ehrenamtlich.

Fussball ist echt oder gar nicht. Daran glauben wir in Kriens. Und freuen uns auf die Heimkehr in unsere Heimat. Sie ist schon näher als wir denken.