Bruno Berner im Interview: «Die 40 Punkte-Marke knacken»

28 Punkte, Platz 3, unsere Vorrunde kann sich sehen lassen. Bruno Berner spricht im Interview über die Gründe für die jüngsten Erfolge, das Arbeitsklima im Kleinfeld und das Spannungsverhältnis von Amateur- und Profifussball beim SC Kriens.

Bruno Berner, man spricht oft vom «verflixten zweiten Jahr». Für uns war es bisher eher ein «wunderbares zweites Jahr». Weshalb?
Wir haben das vierte Viertel der letzten Saison sehr gut analysiert. Wir holten da ja nur noch drei Punkte. Wir wussten, dass wir eine sehr gute Vorbereitung und einen guten Start in die neue Saison brauchen. Dementsprechend haben wir verschiedene Massnahmen ergriffen. Die Vorbereitung war top, der Start ansprechend. Unsere Heimspiele, ausser jenes gegen den FC Aarau, waren richtig gut. Wir haben uns eine sehr gute Ausgangslage für die Rückrunde geschaffen. Nun liegt es an uns, wie lange dieses «wunderbare zweite Jahr» anhält.

In der vergangenen Saison verloren wir Spiele öfters knapp, in dieser Vorrunde gewannen wir zahlreiche Partien mit einem Tor unterschied. Was hat sich geändert?
Wir haben mehr Spieler, die nun beständig sind und Druckphasen unserer Gegner be- und überstehen können. In der letztjährigen «Überlebens-Saison» haben wir erhebliche Rückschläge verkraftet und unsere Lehren daraus gezogen. Alle sind ein Stück weit reifer und gelassener geworden. Wir spielen mehr auf Sieg. In dieser Saison agieren wir mehrheitlich mit zwei Stürmern, gegen Ende der Vorrunde sogar mit drei. Ich habe in dieser Saison auch etwas mehr Optionen und Qualität in der Breite. Einerseits wegen den Transfers, anderseits haben diverse Spieler beachtliche Fortschritte erzielt.

Ich empfinde viel Freude im Umfeld, es wird auffallend viel gelacht

Siehst du noch Steigerungspotential oder ist das Ende der Fahnenstange erreicht?
Wie erwähnt haben diverse Spieler bei uns erfreuliche Fortschritte gemacht, andere stagnierten und konnten sich nicht steigern und einige Spieler rufen ihr Potential noch nicht ab. Aber verbessern können wir uns alle. Nur dürfen wir nicht vergessen, dass wir Spieler mit verschiedenen Motiven in unserer Mannschaft haben. Die einen sind bei uns, weil sie eine Karriere als Fussballer haben möchten, die anderen weil sie noch Spass auf möglichst hohem Niveau wollen in Kombination mit ihrem Beruf. Trotzdem: Uns gelang es mehrheitlich solidarische und leidenschaftliche Leistungen mit einem grossen Zusammenhalt abzurufen, unabhängig von den Motiven. Denn schlussendlich wollen alle gewinnen.

In einem Interview sagtest du kürzlich: «Wir sind Kriens und bleiben auch Kriens». Nach 2.5 Jahren als Trainer hier, was zeichnet den SCK für dich aus?
Der SC Kriens wird sehr sorgfältig und behutsam geführt. Jeder Schritt wird abgewägt und seriös genommen. Alle können in einem ruhigen, angenehmen Umfeld arbeiten. Ich empfinde viel Freude im Umfeld, es wird auffallend viel gelacht. Von der Vereinsführung wird möglich gemacht, was möglich gemacht werden kann. Schritt für Schritt mit viel Geduld.

Wie wichtig ist dieses Vereinsklima für deine persönliche Entwicklung als Trainer?
Sehr wichtig. Je besser und effizienter meine Vorgesetzten arbeiten, umso besser geht es mir.

Inwiefern wirkt sich die positive Entwicklung des Vereins auf die Leistung der Jungs auf dem Platz aus?
Sie wirken sich gut auf die Jungs aus. Wer beim SC Kriens anfängt, versteht relativ schnell, wie es bei uns läuft.

Wir müssen wach und achtsam sein, es kann jeder Zeit in die andere Richtung gehen

Zahlreiche SCK-Spieler sind berufstätig, offensichtlich nicht zum Nachteil der sportlichen Leistungen. Kann diese Zweigleisigkeit auch förderlich sein für die sportliche und menschliche Entwicklung eines Spielers, speziell in der Challenge League?
Für Familienväter, die neben dem Fussball 100 Prozent arbeiten nicht. Für junge, unabhängige Spieler kann es förderlich sein. Fakt ist: Der SC Kriens spielt in einer Profi-Liga. Wie erwähnt haben wir verschiedene Motive bei den Spielern und Betreuern. Ob und wie lange dieses Modell noch gut geht, weiss ich nicht. Ich hoffe, dass der SC Kriens es nicht verpasst, sich eines Tages zum Spitzenfussball zu bekennen. Solange ein Arm bei den Amateuren ist, müssen wir den «Überlebensmodus» eingeschaltet lassen. Wir müssen wach und achtsam sein, es kann jeder Zeit in die andere Richtung gehen.

«Soll sich der SC Kriens in der zweithöchsten Liga etablieren oder jedes Jahr einen Überlebenskampf austragen?», hast du vor der Saison in einem Interview selbst gefragt. Wie weit sind wir sechs Monate später mit unserer Etablierung in dieser Liga deiner Meinung nach?
Ich lasse mich von den erreichten 28 Punkten zur Halbzeit nicht irritieren. Die 1. Mannschaft liefert die sportlichen Argumente. Die Vereinsführung entscheidet, ob und wann wir von Etablierung was die Strukturen, Strategie und Vision betrifft reden können.

Was möchtest du mit dem SCK noch erreichen?
Die 40 Punkte-Marke knacken. Alles was darüber ist, ist aussergewöhnlich und ein Bonus.

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