«Der Stadionneubau war eigentlich eine Mission impossible»

Es ist die Wunschvorstellung jedes Fussballfans. Ein Verein baut sich sein eigenes Fussballstadion. Nun, der SC Kriens kommt diesem Traum für Fussballromantiker ziemlich nahe, findet SCK-Präsident Werner Baumgartner. (Interview aus dem aktuellen Clubheft «Kleinfeld»)

Werner Baumgartner, viel fehlt nicht mehr bis im Kleinfeld die Lichter angehen. Ist das neue Stadion ein Lebenswerk für dich?
Mit dieser Vorstellung bin ich zwar nicht an den Stadionbau herangegangen, aber ehrlicherweise ist es im Laufe der Bauzeit schon eine Herzensangelegenheit und ein ganz besonderes Projekt für mich geworden. Es ist aber nicht so, dass ich mir damit irgendein Denkmal setzen will, im Gegenteil, das neue Kleinfeld ist ein Gemeinschaftswerk.

Was macht das Stadion Kleinfeld zur Herzensangelegenheit?
Wir, und damit meine ich zahlreiche Personen beim SCK, meinen Mitarbeiter Reno Zimmerli und natürlich auch mich, haben dieses Grossprojekt gemeinsam angestossen und waren so stark in alle Bauetappen und Entscheidungen involviert, wie sonst keine andere beteiligte Partei. Man kann sagen, dass der SC Kriens hauptverantwortlich dafür ist, dass dieses Stadion nun steht.

Ein Fussballverein sollte beim Bau seines Heimstadions aber immer mitreden können.
Die Gemeinde Kriens hatte uns ein Ultimatum für die Umsetzung des Projekts gesetzt, ansonsten hätten sie die Initiative übernommen. So haben wir dann halt nicht nur mitgeredet, sondern das Projekt aufgegleist. Ein passendes Architektenteam ausgesucht, einen Investor gesucht, ein Baugesuch eingereicht, den Finanzierungsplan erstellt, Stadionmieter gesucht, politische Diskussionen geführt und so weiter. Das ist für einen Fussballverein eher aussergewöhnlich.

Nie kalte Füsse bekommen?
Kalte Füsse nicht nein. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir es hinbekommen. Aber wenn man bedenkt, wie der Verein noch vor vier Jahren in der Kreide stand, war dieser Stadionneubau eigentlich eine «Mission impossible».

Wieso hat es dennoch geklappt?
Unser Optimismus war entscheidend dafür. Und vielleicht war auch die Konstellation der beteiligten Personen gerade richtig, aber eigentlich ein Zufall. Im Normalfall funktioniert so ein Projekt wie das neue Kleinfeld mit den finanziellen und auch den personellen Voraussetzungen wie wir sie beim SC Kriens hatten nicht.

Diese Einsicht kam aber hoffentlich erst gegen Ende des Bauprozesses
Die Wirkung und die Dimensionen des Projekts habe ich zu Beginn tatsächlich unterschätzt. Vielleicht war das gut so. Mein Mitarbeiter Reno Zimmerli hat kürzlich zu mir gesagt: «Da beginnt man in einem Büro auf einem Blatt Papier eine Idee zu skizzieren und nun arbeiten 200 Menschen im Kleinfeld an der Umsetzung dieser Idee.» Das ist schon speziell.

Wir wollten keine Mantelnutzung und ein bisschen Fussballstadion

Sähe das Kleinfeld anders aus, wenn es wie üblich ein Generalunternehmer gebaut hätte?
Grundsätzlich werden Projekte in dieser Grössenordnung realisiert, um Geld damit zu verdienen. Beim Kleinfeld ist das überhaupt nicht so. Es ist kein kommerziell getriebenes Projekt. Sonst hätten wir beispielsweise nicht freiwillig auf ein zusätzliches, gemäss Zonenordnung zulässiges, Stockwerk verzichtet, womit wesentlich höhere Einnahmen möglich gewesen wären.

(überlegt…)
Ich stelle auch mit grosser Anerkennung fest, dass unser neues Kleinfeld von den Architekten mit sehr viel Sorgfalt und fast schon Liebe geplant und gestaltet wurde. Sie sind wenn immer möglich auf unsere Bedürfnisse eingegangen, obschon das Budget stets knapp war. Und mit der LUPK haben wir eine sehr kompetente und langfristig denkende Investorin, die gewillt war ohne Generalunternehmer zu bauen und den Fokus immer auf Nachhaltigkeit und Qualität gelegt hat.

Weshalb hat man auf ein zweites Stockwert verzichtet?
Weil wir keine Mantelnutzung und ein bisschen Fussballstadion wollten, sondern ein Fussballstadion mit Mantelnutzung. Der Fussball und der Sport generell sollen der dominierende Teil des Stadions sein. Zudem hätte es auch städtebaulich und ästhetisch nicht gepasst. Das Hauptgebäude ist ja relativ lang, wenn es doppelt so hoch geworden wäre, hätte das wuchtig wie eine Staumauer ausgesehen.

Das Wichtigste ist, dass wir den alten Geist nicht verlieren

Wie gross ist die finanzielle Herausforderung für den SCK bei diesem Neubau?
Es ist wirklich eine sehr grosse Herausforderung. Wir waren ja noch vor kurzer Zeit in einer finanziell sehr schwierigen Situation und es blieb schlicht keine Zeit, um ein finanzielles Polster vorzubereiten. Die Finanzierung des Innenausbaus und des Garderobenbereichs ist das Eine. Dafür haben wir das Crowdfunding lanciert und die restliche Finanzierung mit Darlehen sichergestellt.

Das neue Stadion soll nun aber wirtschaftlich auch mehr einbringen. Welchen Effekt wünschst du dir für den SCK?
Das Wichtigste ist, dass wir den alten Geist nicht verlieren und wir uns alle schnell zu Hause fühlen im neuen Kleinfeld. Das Restaurant wird viel grösser und moderner sein, dazu kommerziell genutzt. Es wird schön aussehen und auch architektonisch wunderbar konzipiert sein. Das reicht aber nicht, damit wir uns wohlfühlen. Es braucht Leute, die dem Kleinfeld Leben einhauchen.   

Wird der SCK mit dem öffentlichen Restaurant zu einem Gastro-Unternehmen?
Unternehmen würde ich nicht sagen, wir sind und bleiben ein Fussballverein. Aber wir geben mit einem öffentlich zugänglichen Vereins-Restaurant schon ein Stück Intimität auf. Auf der anderen Seite ist es sympathisch, wenn alle Leute zu uns ins Kleinfeld kommen können, unabhängig davon, ob sie zum Verein gehören oder nicht.

Manchmal ist es auch ein bisschen zu viel

Was zeichnet den SC Kriens im Jahr 2018 deiner Meinung nach aus?
Ich finde man kann hier unsere 1. Mannschaft als Beispiel nennen, die sehr solidarisch miteinander und füreinander agiert. Die Spieler bekennen sich zum SCK und bleiben uns treu, obschon sie anderswo mehr Geld verdienen könnten. Diese grünweisse Solidarität und die Vereinstreue sind für mich entscheidend. Wichtig scheint mir, dass wir dieser Grundhaltung in unserer Juniorenabteilung treu bleiben, damit diese Werte auch in Zukunft beim SCK gelebt werden.

Wie hat der SCK dich in den letzten fünf Jahren geprägt?
Schon sehr stark. Es dreht sich bei mir sehr viel um den SCK. Sobald ich irgendwo auftauche, bin ich immer der Präsident des SC Kriens. Das ist zwar schön, aber manchmal ist es auch ein bisschen zu viel. Die Wahrnehmung und wohl auch die Bedeutung des Vereins ist mittlerweile grösser als ich es mir zu Beginn gedacht hatte. Aber so merkt man, dass unsere Arbeit wahrgenommen und sehr oft auch positiv betrachtet wird. 

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