Der Spielgestalter des Kleinfelds

Zivorad Tanev hat die undankbare Aufgabe, den Spiel- und Trainingsbetrieb im Kleinfeld zu organisieren. Das macht den SCK-Spiko zur wichtigsten Anlaufstelle für Trainer und Junioren während des Stadionneubaus. Zudem trainiert Tanev beim SCK die A-Junioren und neu auch die U15. Ein Gespräch mit dem grünweissen Hans Dampf in allen Gassen über anfängliche Motivationsprobleme und wie es ist, eine «harte Nuss» zu sein.

Zivorad Tanev, wie bringt man 44 Mannschaften Woche für Woche für Trainings und Meisterschaftsspiele auf bloss zwei Fussballfeldern unter?
Diese Frage habe ich mir vor einigen Monaten, als ich mir Gedanken zur Organisation des Spielbetriebs während des Umbau-Frühlings 2018 machte, auch gestellt.

Und offensichtlich eine Antwort darauf gefunden.
Auf dem Papier ja. Aber es funktioniert eigentlich nur Dank der Mithilfe unserer Trainer. Sie passen sich an, sie sind flexibel und improvisieren falls nötig.

Das ist jetzt doch arg bescheiden. Es gibt in der Schweiz wohl keinen anderen Fussballverein, der für so viele Mannschaften so wenig Platz zur Verfügung hat. Dafür braucht es eine wasserdichte Planung.
Wir wussten was auf uns zukommt, als wir diese Ausnahmesituation mit dem Stadionbau geplant haben und konnten uns darauf vorbereiten. Natürlich muss meine Organisation nun aufgehen. Aber wenn unsere Trainer und unsere Junioren kein
Verständnis aufbringen für Hartplatz-Trainings oder eingeschränkte Platzverhältnisse, dann
nützen die besten Belegungs- und Garderobenpläne nichts. 

Welche Massnahmen kann man treffen, um dem Platzmangel entgegenzuwirken?
In der Rückrunde werden einige Mannschaften beispielsweise weniger Heimspiele haben. Statt vier nur noch zwei. Und es kann vorkommen, dass Mannschaften statt wie bis anhin immer um 14 Uhr, nun jeweils um 16 Uhr antreten. Bei den D-Junioren werden wir zudem nicht mehr von Strafraum zu Strafraum spielen, sondern quer, damit wir alle Spiele durchbringen.

Die Platzverhältnisse im Kleinfeld bleiben überschaubar, auch wenn das neue Stadion steht.

Darf man das?
Gemäss meinen Abklärungen darf man das ja (lacht). Es steht nirgends geschrieben, dass man von Strafraum zu Strafraum spielen muss. Der
Verband schreibt bloss die Masse des Spielfeldes vor, solange die stimmen ist alles in Ordnung.

Trotz dem enormen organisatorischen Aufwand, es wird auch unzufriedene Trainer und Junioren geben.
Klar, wir können es in der aktuellen Situation nicht allen Recht machen. Aber wenn die grosse Mehrheit mit den getroffenen Entscheidungen leben kann, bin ich zufrieden.

Als Spiko des SC Kriens ist man sich Kritik gewohnt.
Kritik gehört dazu ja. Es zeichnet den SC Kriens aus, dass man, wenn man kritisiert wird, miteinander reden und Probleme besprechen kann. Egal ob man nun Trainer der 1. Mannschaft ist oder Trainer der E-Junioren. Aber, und das ist wichtig, ich finde unsere Trainer machen angesichts der Platz- und Trainingsverhältnisse im Kleinfeld wirklich einen grossartigen Job. Dafür kann man sie nur loben.

Muss sich auch Bruno Berner einschränken?
Ja, auch Bruno macht mit seiner Mannschaft beispielsweise mal Laufübungen, damit die Junioren mehr Platz fürs Training haben. 

Wie fördert man diese Einstellung, auf eigene Vorteile zu verzichten?
Anders geht es ja nicht beim SCK. Auch wenn das neue Stadion einmal steht und der neue Kunstrasen verlegt ist, bleiben die Platzverhältnisse im Kleinfeld überschaubar, gemessen an der Anzahl Teams. Wir bewegen uns weiter auf engem Raum und müssen weiterhin Kompromisse eingehen und uns hier und dort ein bisschen einschränken, damit das grosse Ganze funktioniert. Wer das nicht kann, wird es beim SCK schwer haben.

Welchen Anteil hat der Spiko am guten Umgangston im Kleinfeld?
Es hilft sicher, wenn die Trainer wissen woran sie bei mir sind. Grundsätzlich versuche ich allen Wünschen zum Trainings- und Spielbetrieb gerecht zu werden. Ich denke oft gelingt das, aber manchmal muss ich eine harte Nuss sein und Nein sagen. 

Wenn ich ehrlich bin, wollte ich das eigentlich gar nicht werden

Bist du das von Natur aus, eine «harte Nuss»?
Nein, aber ich habe gelernt, meine Entscheide gegenüber unseren Trainern zu vertreten, sie zu erklären und um Verständnis zu werben. Als ich dieses Amt vor drei Jahren übernommen habe, wollte ich, dass jeder Trainer und Co-Trainer glücklich ist mit meiner Organisation. Ich habe oft nachgegeben und bin von meinen Vorstellungen abgewichen. Das war ein Fehler.

Weshalb?
Weil wir im Kleinfeld nicht viel Spielraum haben und sich eine einzige Trainings- oder Spielverschiebung sofort auf den Trainingssbetrieb zahlreicher anderer Mannschaften auswirkt.

Du bist gleichzeitig noch Juniorentrainer beim SCK. Wie gut gehen diese beiden Aufgaben aneinander vorbei?
Wenn ich im Kleinfeld bin, dann bin ich für alle anderen der Spiko. Unabhängig davon, ob ich mit meiner Mannschaft einen Match oder Training  habe. Das war am Anfang schwierig. Aber mittlerweile wissen meine Trainerkollegen, wann sie mit mir über den Spielbetrieb reden können, und wann ich mit den Gedanken bei meiner Mannschaft bin und nicht über Trainings- oder Spielplanung reden will. Das hat sich relativ gut eingespielt.

Wieso machst du beides?
Trainer sein ist meine Leidenschaft. Die Arbeit mit den Jugendlichen auf dem Platz, zusammen etwas kreieren, ein Team zu formen, es zu entwickeln und miterleben zu dürfen wie die Junioren Fortschritte erzielen ist für mich einmalig. Das bringt mir sehr viel und es ist auch für mich eine Lebensschule, so viele verschiedene Charakteren und Persönlichkeiten zu einer Einheit zu formen.

Und wieso bist du Spiko beim SCK?
Wenn ich ehrlich bin, wollte ich das eigentlich gar nicht werden (lacht). Vor drei Jahren fand sich einfach niemand und ich sagte ok, für den SCK mache ich es, bis sie jemanden gefunden haben. Nun bin ich immer noch da. Aber ideal ist dieses Doppelamt nicht. Als Spiko vertrete ich die Interessen des Vereins, als Trainer die einer Mannschaft. Wenn ich das nicht strikt trenne, funktioniert es nicht.

Hast du je bereut, das Spiko-Amt beim SCK übernommen zu haben?
Ja, da gab es schon Momente, in denen ich meine Zusage bereut habe. Heftig war vor allem das erste halbe Jahr. Da kamen so viele Anfragen, Mails und Telefonate, dass ich sehr gefordert – ja fast überfordert war mit dieser Menge. Besser wurde es erst, als ich mir einen Plan zurechtlegte und den Spielbetrieb im Kleinfeld nach meinen Vorstellungen zu organisieren begann. Und das hiess eben auch, sich dann strikt daran zu halten.

Drei Trainings- und Spielfelder sind für einen Verein unserer Grösse zwingend nötig

Wie ist es heute?
Heute weiss ich wie der Laden läuft und was ich tun muss, damit er funktioniert. Mittlerweile macht es sogar manchmal ein bisschen Spass (lacht). Nein im Ernst, es ist schön zu sehen, wie eine Organisation für 600 Fussballerinnen und Fussballer aufgeht und wie wir trotz akutem Platzmangel trainieren und erfolgreich Fussball spielen.

Und steht das neue Stadion mit dem Kunstrasen einmal, herrschen im Kleinfeld fast paradiesische Platzverhältnisse.
Das glaube ich nicht. Es wird mehr Platz geben natürlich, auch im Hinblick auf eine hoffentlich baldige Sanierung von Platz drei. Aber drei Trainings- und Spielfelder sind für einen Verein unserer Grösse zwingend nötig. Sozusagen die Minimalanforderung. Zudem wird der Verein mit dem neuen Stadion wachsen. Wir werden die Wartelisten im Juniorenbereich weiter reduzieren, das heisst, zusätzliche Mannschaften schaffen, damit wirklich alle interessierten Kinder bei uns kicken können. Und das neue Stadion weckt auch Begehrlichkeiten. Diese gilt es so zu steuern, dass alle gleichermassen vom neuen Kleinfeld profitieren. Einfacher wird die Arbeit für den Spiko sicher nicht.

Was würde sie einfacher machen?
Zwei zusätzliche Fussballfelder im Kleinfeld (lacht). Und ich glaube wir müssen die interne Kommunikation zwischen den einzelnen Bereichen, die für den Spielbetrieb sorgen, noch verbessern. Ich werde mich deshalb noch intensiver mit unseren beiden Stadionverantwortlichen austauschen. Ziel muss es sein, dass sich alle im Kleinfeld wohlfühlen. Egal ob es unsere Junioren sind, die Trainer, Eltern oder unsere Gegner, auch sie sollen das Kleinfeld mit einem guten Gefühl verlassen. Auch wenn die Punkte beim SCK bleiben (lacht).