Das Leben als Balljunge

Das grosse Betteln des Trainers beginnt jeweils 1 Woche vor dem grossen Einsatz. Er verspricht den Jungs, dass ein grosser Gegner kommt – der FC Basel. Erwartet werden leuchtende Augen, das Gegenteil ist der Fall. Ich bin beim Götti, der Cousin feiert seinen (keine Ahnung welchen) Geburtstag und die Grossmutter will ausgerechnet an diesem Tag mit mir an eine Kleintierausstellung.

Kann man die Kinder zwingen zu kommen? Nein, die Suche bei diversen befreundeten Spielerväter beginnt. Für die Väter bringt die Teilnahme seines Stammhalters als Balljunge den Vorteil, dass der Vater auch wieder einmal Zuhause rauskommt und sich ein Bier und eine Wurst genehmigen kann, ohne das Gejammer seiner geliebten Frau von wegen Cholesterinspiegel und Leberwerten ertragen zu müssen.

Mit der Zeit kommt eine gewisse Routine, man weiss in etwa wer man fragen kann.

Da die Spiele der ersten Mannschaften bekanntlich nicht in Kriens stattfinden, muss jeweils auch der Transfer ins Gersag organisiert werden.

Nun kommt die grosse Stunde. Zu meiner Erleichterung erscheint der achte Balljunge 2 Minuten vor Anpfiff doch noch. Nun werden wir vom Materialchef herzlichst empfangen.

Zuerst müssen sich alle einen verschimmelten Überzug, welcher noch vom letzten Einsatz mit Ketchup- & Cocktailsaucenflecken verziert ist, anziehen. Dann werden die Jungs harsch darauf hingewiesen, dass Sie verantwortlich seien, falls am Schluss ein Ball im Unterholz des nahe gelegenen Waldes verloren ginge. Auch müssten die Bälle nach dem Spiel durch die freiwilligen Balljungs gewaschen werden. Verunsichert schleichen die Balljungs mit gesenkten Köpfen, eigentlich haben Sie bis dahin noch nichts falsch gemacht, auf Ihre zugeteilten Plätze.

Alles sind fussballbegeisterte Kinder. Jeder hat einen Ball, mit dem weder jongliert noch gepasst werden darf – 90 Minuten lang ! Das wäre für uns dasselbe, wie wenn wir bei einem Oktoberfestbesuch das Mass Bier voll wieder zurückgeben müssten.

Dann kommt der nächste Tiefschlag: Der Gegner kommt wie versprochen mit dem FC Basel-Trickot, aber alles unbekannte Spieler irren auf dem Grün herum. Hat der Trainer vergessen zu sagen, dass es sich bloss um die 2. Mannschaft handelt oder habe ich wieder nicht richtig zugehört ?

Wenigstens wird die Arbeit in der Pause mit einem Hot-Dog belohnt. Wenn der Hot-Dog bis zur Mitte abgenagt ist, erscheinen die Spieler bereits wieder auf dem Platz – weiter geht’s.

Nach dem Schlusspfiff, geht’s dann ab zum Bälle waschen.

Aber Achtung, ein Junior fehlt. Weiss jemand wo Luca ist? Ein einstimmiges Ja ertönt, der sei doch in der 52. Minute in den Wald gegangen, um einen verlorenen Ball zu suchen. Toll, jetzt fehlen ein Ball und ein Junior. Zum Glück leuchten die Cocktailsauce und das Gelb des Überziehers aus dem Unterholz des Waldes.

Grosses Happy-End: Ball und Junior sind wieder im Stadion. Statt des Dankeschöns des Materialverwalters gibt es am Schluss noch eine Schlange vom Trainer – Toll wars !

Danke Jungs ! Übrigens für den 26. Mai werden noch 8 Freiwillige gesucht…

Bericht: Oli Barmettler