Cupvorschau: «Hönne cool»

Seit 10 Jahren trainiert Reto Flückiger (Bild unten) die erste Mannschaft des FC Langnau. Er hat selber im Verein gespielt und sich beim FCL aus dem Emmental vom Juniorentrainer zum Aktivtrainer gewandelt. Wie es ist, Fussballtrainer in einem Eishockey-Dorf zu sein und wie der Schlachtplan gegen den SCK aussieht, erzählt er im Interview – wobei nicht immer ganz klar war, wer hier wen interviewt.

Reto Flückiger, der gebildete Sportfan kennt Langnau als Eishockey-Dorf. Wie verwurzelt ist der Fussballverein im Ort?
Wir sind in dieser Region schon ein eher grosser Verein, mit vielen Junioren, einer treuen Anhängerschaft und zahlreichen Menschen, die sich für den FC Langnau engagieren. Aber natürlich stehen wir im Schatten der SCL Tigers – in allen Bereichen. Bei den Mitgliedern, beim Sponsoring, bei den Fans, bei der Infrastruktur und so weiter. Aber ist ok, es läuft gut bei uns. Es braucht natürlich auch viel weniger, als bei einem Eishockeyverein in der höchsten Spielklasse des Landes.

Besteht die Mannschaft vor allem aus Spielern aus dem Dorf?
Ja, es sind praktisch alle Spieler bei uns von Langnau. Einer kommt von Sumiswald, unser Exot. Aber das ist ja auch gleich neben Langnau. Dann haben wir einen Spieler aus Malters, das liegt glaube ich in der Nähe von Kriens, der studiert in Bern und Langnau liegt für ihn ungefähr in der Mitte.

Im Sommer seid ihr fast in die 2. Liga aufgestiegen, ist der Aufstieg das Ziel für diese Saison?
Wir setzen uns den Aufstieg nicht als ultimatives Ziel nein. Aber wir wollen wie letzte Saison möglichst lange um diesen ersten Platz mitspielen und die Saison auch für uns spannend gestalten. Vor einem Jahr hatten wir im Winter 13 Punkte Rückstand auf die ersten Plätze und 13 Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge, da fehlte dann manchmal etwas der sportliche Reiz.

Ihr seid ja keine Profis oder?

Wie zufrieden seid ihr mit dem Cuplos SC Kriens?
Wir haben natürlich schon ein bisschen von einem Super League Verein geträumt. Thun wäre wohl das Traumlos gewesen – ein Verein aus der höchsten Liga, aber doch nicht zu gross. Ich kann mich erinnern, es waren noch sieben Lose im Topf, davon fünf Superligisten.

Und dann kam Kriens.
Genau. Also kein ganz Grosser, aber auch kein uns völlig unbekannter Verein. Florent Hadergjonaj, der aus Langnau kommt, hat seinen Weg ja über den SC Kriens gemacht. Arbeitet ihr bei den Junioren nicht auch mit dem FC Luzern zusammen?

Beim Team Innerschweiz im Junioren Spitzenfussball ja…
…und jetzt mit dem Aufstieg ist sicher auch viel Euphorie im Verein. Dazu ist Kriensfür uns Langnauer der nächstgelegene Klub aus der Challenge League. Nach der ersten, vielleicht ganz ganz leisen Enttäuschung müssen wir jetzt sagen, ein Challenge League Verein kommt zu uns und das ist doch «hönne cool».

Ist die Vorbereitung aufs Cupspiel besonders?
Wir werden sicher zwei, drei taktische Dinge anschauen. Zum Beispiel Unterzahlsituationen üben, denn wahrscheinlich wird es uns am Samstag so vorkommen, als würden wir gegen 15 Krienser spielen. Aber in erster Linie freuen wir uns einfach und wollen auch nicht übermässig an der Taktik feilen. Das ändert ja nichts daran, dass uns Kriens in allen Belangen überlegen sein wird. Wir müssen am Samstag geniessen, erleben, Freude haben. 90 Minuten leiden, viel rennen ohne Ball und am Schluss wissen wir, wie es ist gegen Profis gespielt zu haben. Wobei, ihr seid ja keine Profis oder?

Wenn Kriens 24 Mal den Pfosten und 10 Mal die Latte trifft, haben wir vielleicht eine Chance aufs Elfmeterschiessen

Nein, Halbprofi nennt man das wohl. Unsere Spieler arbeiten praktisch alle, manche studieren oder stecken in einer Ausbildung. Aber vom Fussball leben kann bei uns niemand.
Wie oft trainiert ihr?

Viermal pro Woche in der Regel.
Ihr habt auch viele Spieler aus der Region im Kader oder?

Ja, die meisten kommen aus der Innerschweiz und haben entweder beim SC Kriens oder beim FC Luzern ihre Juniorenzeit verbracht.
Und euer Trainer Bruno Berner ist ein ehemaliger Natispieler. Es freut mich natürlich, neben so jemandem an der Seitenlinie zu stehen. Das wird cool.

Werden viele Leute zum Cupspiel kommen?
Normalerweise haben wir ungefähr 150 Zuschauer bei einem Heimspiel. Was ganz ok ist für einen 3. Liga Verein. Toll wären so 600 bis 800 Menschen. Vor 25 Jahren spielten wir im Cup gegen den damaligen Nati B Verein Châtel-Saint-Denis. Damals kamen 600 Zuschauer. Wenn wir diese Marke knacken, wäre das der Wahnsinn für uns. Auf jeden Fall wird es eine völlig neue Erfahrung für die Spieler, wenn plötzlich Fans an der Seitenlinie stehen und singen und reinrufen.

Wagst du eine Prognose für den Samstag?
Wenn Kriens 24 Mal den Pfosten und 10 Mal die Latte trifft, haben wir vielleicht eine Chance aufs Elfmeterschiessen. Im Ernst. Ich hoffe es steht nach 10 Minuten nicht schon 0:5, das wäre ein «Seich». Ich hoffe wir halten so lange wie möglich dagegen und liefern eine tolle Partie, für uns und die Zuschauer. Dass wir am Ende des Spiels als Verlierer vom Platz gehen werden, ist uns aber eigentlich klar.

Bilder: Wochen Zeitung / zvg

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