Der Gründervater tritt ab

Zehn Jahre lang hat Nicolas Schudel die SCK-Supporters als Präsident geführt, geprägt und vorangetrieben. Letzten Freitag legte er sein Amt an der Generalversammlung der SCK-Supporters nieder. Der Rückblick auf ein grünweisses Jahrzehnt.

Bilder: Roger Keller

Seine Jahre als Präsident der SCK-Supporters sind fein säuberlich dokumentiert. Aufnahmen von Festen, Spielen und Auswärtsfahrten. Dazu persönliche Einschätzungen zu Abstiegen, Aufstiegen und dem grünweissen Stimmungsbarometer. Ein ganzes SCK-Jahrzehnt gebündelt auf ungefähr 50 Seiten. Es ist die Chronik eines Liebhabers.

Zusammen mit den Kriensern Andy Baggenstos und Erich Saxer hat Nicolas Schudel die SCKSupporters im Dezember 2002 gegründet. Er und seine Mitstreiter sorgten für die schnelle Etablierung im Verein, in der nationalen Fanszene und dafür, dass seit nunmehr 15 Jahren kein SCK-Pflichtspiel ohne Beteiligung der SCK-Supporters über die Bühne ging.

2008 übernahm Nicolas Schudel das Amt des Fanclub-Präsidenten. «Es lag irgendwie auf der Hand. Ich war schon lange dabei, kannte den Laden und natürlich ist es für mich auch eine sehr ehrenvolle Aufgabe.» Während zehn Jahren hat Nicolas Schudel die SCK-Supporters anschliessend durch unterschiedliche Ligen, in unzählige Stadien und an eine Vielzahl von Anlässe geführt.

«Damals, als ich dieses Amt übernommen habe, dachte ich, ich würde das mein Leben lang machen. Präsident auf Lebzeiten sozusagen», erzählt Nicolas Schudel. «Irgendwann dachte ich: Ok, vielleicht nicht ein Leben lang. Aber sicher für 10 Jahre.»

Lieber Kleinfeld als St. Jakob Park
Jetzt endete diese Zeitspanne. Nicolas Schudel ist ab sofort einfach «nur» noch Fan des SC Kriens. Zum ersten Mal seit der Gründung der SCK-Supporters vor gut 15 Jahren. «Aber ich gehe in einem guten Moment. Mittlerweile haben wir rund 100 Mitglieder, unsere finanzielle Situation ist stabil und das Verhältnis zum Verein ist so gut wie noch nie. Dazu kommt eine neue, junge Generation. Leute die unsere Ursprungs-Idee eines SCK-Fanclubs weiterführen wollen.»

Der Supporters-Nachwuchs ist Nicolas Schudel ein Anliegen. Als er den Posten vor einem Jahrzehnt antrat, fürchtete er nichts mehr als die schleichende Abwanderung der Mitglieder. Passiert ist das Gegenteil. Die sehr familiäre Fanorganisation im Kleinfeld fand Anklang und entwickelte sich prächtig. Die Kurve in Kriens ist heute attraktiv genug, um sich dort zu verwurzeln. «Natürlich gab es immer mal wieder Phasen der Stagnation, aber wir mussten nie Angst haben, dass sich die SCKSupporters wieder auflösen.» Hauptverantwortlich dafür sind für den Noch-Präsidenten die überschaubaren Verhältnisse im Kleinfeld und die Verbundenheit der Fanclub-Mitglieder mit dem Verein, die in vielen Fällen bereits im Teenager-Alter ihren Anfang nimmt.

Wo gibts das schon, dass Mannschaft und Fans zusammen in der Garderobe Erfolge feiern

«Die Vereinsstrukturen beim SCK lassen es zu, dass wir eine persönlichen Bezug zu den Spielern und dem Trainer aufbauen, dass man sich kennt und zusammen über Fussball plaudern kann». In vielen anderen Vereinen sei das nicht mehr möglich. Der Austausch zwischen Fans und Mannschaft findet dann meist nur noch im organisierten Rahmen statt.

Im professionellen Fussball fehlen die Begegnungsorte, es fehlt die Nähe zum Spiel und den Spielern. «Der moderne Fussball mit seiner Kälte und Austauschbarkeit gibt uns nichts. Das Kleinfeld ist uns lieber als der St. Jakob Park», sagt Nicolas Schudel. «Wo gibts das schon, dass Mannschaft und Fans zusammen in der Garderobe Erfolge feiern.» Der SCK unterliegt auch nicht dem Zwang, sich an allen Ecken und Enden professionalisieren und kommerzialisieren zu müssen. «Das ist vielleicht unser grösster Pluspunkt.»

Die Rede vor der Mannschaft
Regelmässig sind Spieler und Staff des SC Kriens zu Gast an den Anlässen der Supporters. Man kennt sich. «Speziell war für mich als ich während der Saisonvorbereitung vor zwei Jahren eine Motivationsrede an die Mannschaft hielt.» Eine halbe Stunde sprachen Erich Saxer und Nicolas Schudel über ihre Verbundenheit und Liebe zum SCK. «Einigen Spielern hat das schon Eindruck gemacht. Da steht einer vor ihnen, der genau wie sie, sehr Vieles dem SC Kriens unterordnet – einfach neben dem Feld.»

Jahr für Jahr hat Nicolas Schudel seine Agenda nach dem Spielplan des SC Kriens ausgerichtet. Auch Wochentags. Früher Feierabend, mit dem Zug nach Genf, Chiasso oder Delsberg ans Spiel, und wieder nach Hause, um am nächsten Morgen arbeiten zu gehen. Zusammen mit SCK-Masseurin Liliane Brun hat Nicolas Schudel wohl am meisten Spiele des SC Kriens live gesehen in den vergangenen 10 Jahren.

Bei aller Liebe zum Verein, die Unabhängigkeit und das Kundtun der eigenen Ansichten waren den SCK-Supportern und Nicolas Schudel stets mit die wichtigste Konstante ihres Wirkens. «Wir sind kein offizieller Fanclub des Vereins, sondern unabhängig. Wir sind ein kritisches Auge. Spieler, Trainer oder Vorstandsmitglieder kommen und gehen: Wir Fans sind immer da.» Und wenn nötig wird mit Kritik an der Vereinspolitik nicht gespart.

Wer spielt, wer Trainer ist oder Präsident, ist für uns nicht so wichtig

So kam es vor, dass die Supporters den Dialog suchten, wenn Vereinsentscheide für sie nicht nachvollziehbar waren oder Sitzstreiks organisierten, als die Einsatzfreude der Mannschaft zu wünschen übrig liess. «Wenn der Einsatz stimmt, können die Jungs aufs Dach bekommen, kein Problem. Schwierig wird  es für uns, wenn die Einstellung auf dem Platz fehlt und die Mannschaft sich nicht gegen drohende Niederlagen stemmt.»

Für Nicolas Schudel sind die 90 Minuten in denen das Team anfeuert und mitleidet die Essenz des Fanseins. «Diese 90 Minuten sind der Grund, weshalb wir unzählige Stunden unserer Freizeit für den SCK aufwenden. Sie bringen uns zusammen. Wer spielt, wer Trainer ist oder Präsident, ist für uns nicht so wichtig.»

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