«Alle schraubten ihr Ego zurück»

Chrigel Kurth hat mit dem SC Kriens einen Abstieg durchgestanden und zwei Aufstiege gefeiert. Im Interview blickt der langjährige SCK-Assistent auf den verrückten letzten Samstag zurück, spricht über seine pendenten Aufgaben als neuer Teammanager und verrät, weshalb er vor Trainer Bruno Berner den Hut zieht.     

Interview: Thomas Tobler      Bilder: Roger Keller

Zuerst blicken wir zurück. Was ist dir in den Minuten nach dem Abpfiff in La Chaux-de-Fonds durch den Kopf gegangen?
Zunächst nur Freude und Glücksgefühle. Ich habe mich besonders für alle Menschen gefreut, die in den letzten vier Jahren so viel Freizeit und Arbeit in den SCK investierten. Die Spieler, aber auch die Menschen hinter den Kulissen. Jene die unsere Schulden abbauten und die trotz aller Nebengeräusche das Stadionprojekt verwirklichten. Die Leute der Task-Force, die den Verein damals vor dem Konkurs retteten. Oder Seppi Egli und Werni Häfliger, die uns während der Saisonvorbereitung überall hinfuhren, Rolf Sigrist, der unsere Spiele filmt und selbstverständlich auch für unsere «geilen» Fans.

Es ist schön zu spüren, dass uns dieser Aufstieg richtig gegönnt wird

Das SCK-Spiel war in der ersten Halbzeit nicht gut. Was wurde in der Pause besprochen?
Es wurde nichts Besonderes besprochen. La Chaux-de-Fonds ging in den ersten 45 Minuten ein enormes Tempo, dass konnten sie nicht 90 Minuten durchhalten. Wir wussten, dass die Chancen kommen würden. Unsere Jungs haben in den letzten Wochen so toll trainiert. Mit Freude, Spass und trotzdem mit einer hohen Intensität und Qualität. Wir waren wirklich überzeugt davon, dass sie dieses Spiel drehen.

Gabs keinen Moment des Zweifelns?
Nein, ich wusste, dass die Jungs den Willen aufbringen und das Ruder noch herumreissen. Alle die irgendwie mit dem SCK verbunden waren, wollten diesen Erfolg. Diese positive Energie trugen die Spieler in sich und sie wurden von aussen dementsprechend unterstützt.

Wie viele Glückwünsche gabs anschliessend?
Oh, sehr viele. Aber es können nicht genug sein (lacht). Es ist schön zu spüren wie sich andere Menschen mit uns freuen, zu spüren, dass uns dieser Aufstieg richtig gegönnt wird.

Inwiefern kann man die Aufstiege 2015 und 2018 miteinander vergleichen?
2015 mussten wir in die Aufstiegsspiele. Dort reicht ein Spiel mit einer schlechten Leistung und die ganze Saison ist futsch. Jetzt war es so, dass zwar auch ein einziges Spiel den Unterschied ausmachen konnte, aber es war mehr Konstanz gefragt. Für mich ist dieser Aufstieg nun sehr speziell. Die Rückkehr in die Challenge League war von meinem ersten Tag an in Kriens mein Ziel.

Wenn irgendwie möglich, möchte ich nahe an der Mannschaft bleiben

Nur vier Jahre nach dem Abstieg in die 1. Liga, ist der SCK zurück in der Challenge League. Wie geht das?
Dafür brauchts eine solide Clubführung und eine ständige Verstärkung des Kaders. Mit Jure (Marinko Jurendic A.d.R.) hatten wir einen Trainer, der für den Aufbau sehr wichtig war und sehr viel investierte. Bruno hat nun die richtigen Werkzeuge gefunden, um uns an die Spitze zu bringen – wir sprachen in der Mannschaft immer vom Pilatus. Ein ganz wichtiger Aspekt ist auch unser Teamspirit. Wir hatten dieses Jahr einen relativ grossen und qualitativ sehr guten Kader. Arrivierte Spieler, die vielleicht weniger zum Spielen kamen als gewünscht, schraubten ihr Ego aber zurück und gaben ihre Energie in die Mannschaft. Das war rückblickend entscheidend.

Wie habt ihr nach dem schlechten Rückrundenstart die Kurve gekriegt?
In der Woche vor dem Spiel gegen Cham (29. März A.d.R.) hat unser Trainer etwas gemacht, wovor man nur den Hut ziehen kann. Er brachte mit Mentaltrainer Erich Föllmi quasi einen Aussenstehenden ins Training und war selber nur Beobachter. In dieser Woche rückten wir alle noch mehr zusammen. Um den Spielern den Kopf frei zu machen, standen Spass und Freude im Vordergrund. Und nach dem 4:1 Sieg in Cham, haben wir keine Punkte mehr abgegeben.

Am Samstag endet deine Zeit als Assistentstrainer. Du begleitest die Mannschaft zukünftig als Teammanager. Was sind deine neuen Aufgaben?
Darauf bin ich selber gespannt. Das von mir geforderte Aufgabenheft ist beim Sportchef pendent. Im Moment hat er anderes zu tun, dass kommt schon noch. Aber da Bruno Berner dieses und nächstes Jahr die Uefa-Pro-Lizenz machen will, wird er sicher das eine oder andere Mal fehlen. Falls gewünscht werde ich dann den neuen Assistenztrainer auf dem Platz unterstützen. Auch sonst möchte ich, wenn irgendwie möglich, nahe an der Mannschaft bleiben.

Wird dir die tägliche Arbeit auf dem Feld fehlen?
Nach 17 Jahren neben der Arbeit nicht mehr vier bis fünfmal wöchentlich auf dem Platz zu stehen, wird wohl am Anfang eine gewisse Leere verursachen. Aber wer mich kennt, der weiss, dass mir nie langweilig wird. Ich bin alles andere als ein Stubenhocker, mir fällt die Decke zu schnell auf den Kopf.