Blog: Rien ne va plus

Von Oliver Meier In meinem letzten Blog habe ich beschrieben, welche Berufswünsche man seit Generationen als Kind so hat. Lokomotivführer und Ballerina. Genau. Ich hatte festgestellt, dass seit neustem Spielerberater als lukrativster Berufswunsch, all die traditionellen Berufe überholt hat. Meine Kolumne – Corona sei Dank – ist jedoch schon längst wieder überholt. Virologe – oder noch besser Epidemiologe – ja das sollte man werden. Da landet man seit neustem auf Titelseiten und man darf, zumindest zeitweise, sogar dem Herrn Trump ungestraft widersprechen.

Ab Ende Februar hat uns dieser Virus doch tatsächlich lahmgelegt. Es ist wie beim Roulette, wenn die Kugel sich langsamer zu drehen beginnt und der Croupier vor weiteren Handlungen der beteiligten Spieler warnt: Rien ne va plus. Nun ja, treffender kann man das eigentlich nicht sagen. Nichts ging mehr. 
Ein paar Wochen etwas ruhiger angehen und aus Fussballersicht mal die kleineren oder grössere «Boböli» auskurieren – ja, am Anfang muss dies nicht nur schlecht sein. Doch dann, trotz kurzfristig verhindertem Burnout, beginnt man zu realisieren was überhaupt abgeht – respektive eben nicht abgeht.

Schrecklich ist es für Vereine wie den unseren, die Aufgaben in der Gesellschaft haben, die weit, weit über den Betrieb eines Halb-Profi-Bereiches in der Challenge League hinausgehen.

Der SC Kriens stand still. Nein, nicht einfach Winterpause. Total still. Keine Junioren, keine Senioren, kein Restaurationsbetrieb für knapp zwei Monate. Wirtschaftlich ist dies natürlich ein Fiasko. Man liest in den Medien vom extremen Leiden des «modernen Fussballs». Man diskutiert, wann die Milliarden (nein, kein Tippfehler, ich wollte wirklich Milliarden schreiben) wieder fliessen. Man liest vom Zerfall von Transferwerten. Bis zu 20 Prozent weniger sollen Spieler nun Wert sein. Nur noch 80 statt 100 Millionen. Schrecklich. Wirklich schrecklich? Schrecklich ist es für Vereine wie den unseren, die Aufgaben in der Gesellschaft haben, die weit, weit über den Betrieb eines Halb-Profi-Bereiches in der Challenge League hinausgehen.

Vielen Kindern, Jugendlichen, Erwachsen wird eine Plattform ermöglicht. Gemeinsamer Sport, quer durch alle Schichten wo Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Bildung keine Rolle spielt. Ein sozialer äusserst wichtigerer Bereich in Kriens findet derzeit nicht statt. Ich hoffe, nein ich bin überzeugt, dass wir mittelfristig als Gewinner aus dieser Krise herausgehen werden. Werte, wie die Unseren, werden wichtiger werden.

Nun gilt es treu zu bleiben, einander zu helfen, Geduld zu haben. Dann stehen wir auch wieder auf.

Viele englische Profivereine mit Budgets im oberen dreistelligen Millionenbereich und Mäzenen mit Milliardenvermögen haben Kurzarbeit beantragt und erst nach heftigen Protesten diese Gesuche wieder zurückgezogen. Ein soziales Gewissen besteht im modernen Fussball nicht. Es ist eine Geldmaschinerie. Nichts weiter.

Wieso das Ferne suchen, wenn das Gute so nah liegt? Warum unser Geld in einen überkommerzialisierten Sport stecken, welchem die soziale Aufgabe des Fussballs an der Basis vollkommen egal ist? Ich spreche da nicht nur von Sponsoring-Geld, nein, auch vom Geld von uns Konsumenten.

Ich bin davon überzeugt, dass die Sponsoren sowie Gönner und Fans des SCK dies ähnlich sehen. Nun gilt es treu zu bleiben, einander zu helfen, Geduld zu haben. Dann stehen wir auch wieder auf. Wie Phönix aus der Asche – einfach stärker. Denn, so hoffe ich, bald geht es gestärkt zurück ins Kleinfeld. Und dann gilt – um es in der Croupier-Sprache zu sagen: Neues Spiel neues Glück. Come on Kriens.

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