Dani Fanger ist unter Freunden

Wenn Dani Fanger vor die Haustür tritt, steht er praktisch schon im Kleinfeld. 300 Meter sind es bis ins Stadion des SC Kriens. Vor 20 Jahren nahm Fanger diesen Weg zum ersten Mal unter die Füsse. Als SCK-Junior, der sozusagen im Kleinfeld aufwuchs. Die Eltern engagierten sich abseits des Feldes für den Verein. Dani war für die Arbeit auf dem Platz zuständig. Zusammen feierten sie seine frühen Erfolge. Valentin Stocker und Claudio Lustenberger waren lange seine Weggefährten im SCK-Dress. Es gab Spiele, in denen schossen Fanger und Stocker zehn Tore. Nicht zusammen, sondern jeder für sich.

Diese Torquote brach im Laufe seiner Juniorenzeit ein. Nichts Ungewöhnliches für einen Verteidiger. Selten führen sie die Torschützenlisten an. Was blieb war sein Talent ein Spiel zu lesen, die physische Präsenz und die wuchtigen Vorstösse in des Gegners Hälfte. Eine U-Mannschaft folgte auf die Nächste, daneben blieb noch Platz für die Kantonsschule. Fanger war diszipliniert, opferte seine Freizeit hauptsächlich dem Fussball, ordnete sein Leben aber nicht den Karriereträumen unter. Die Entscheidungsfreiheit über sein Tun begleitet ihn bis heute. Davon später mehr.    

Unterwegs als Profi
Nach der U21 beim FCL gings zurück in die fussballerische Heimat, zurück ins Kleinfeld. Kriens stieg ab, Fanger auf. Er wurde zum jungen Stammspieler, zur Teamstütze und hatte entscheidenden Anteil am sofortigen Wiederaufstieg ein Jahr später. Zwar waren es nicht mehr 10 Treffer pro Spiel, wie zu Juniorenzeiten, was Fanger allerdings geblieben ist, sind die Tore zur richtigen Zeit. In den Aufstiegsspielen zur Challenge League 2009 duelliert sich der SCK mit Rapperswil. Erste Runde, auswärts. Fanger erzielt nach einem Eckball in der 17. Minute das 1:0 und legt die Basis für den Aufstieg einige Tage danach. 2015 trifft Fanger wieder in einem Aufstiegsspiel. Erneut mit dem Kopf. Yverdon heisst der Gegner und geht gegen Fanger und Kollegen mit 1:6 unter. Kurz darauf ist der SC Kriens zurück in der Promotion League.

IMG_2364

Der SCK überrollt Yverdon in den Aufstiegsspielen 2015. Dani Fanger trifft, Guto, Wiget und Hasanaj jubeln.

Zwischen diesen beiden Aufstiegen mit dem SC Kriens liegen sechs Jahre in denen Dani Fanger zuerst die grosse Bühne des Schweizer Fussballs betrat, um sich nach zweieinhalb Saisons wieder komplett davon zu verabschieden. Freiwillig wie er sagt. Aber der Reihe nach.

Luzern holte ihn 2010 vom SCK ins Super-League-Kader. Fanger hatte seine Matura soeben erfolgreich abgeschlossen und in Sachen Fussball eigentlich nichts zu verlieren. Ein Studium als Plan B hielt ihm den Rücken frei für den Versuch «Fussball-Profi». «Rückblickend wars als Aussenverteidiger in der Super League wahrscheinlich eine Nummer zu gross für mich. Und in der Innenverteidigung waren die Plätze beim FCL damals besetzt», sagt Fanger. Immerhin, 15 Super-League-Einsätze absolvierte er während eineinhalb Jahren in blauweiss. «Im Januar 2012 entschieden wir uns den bis im Sommer gültigen Vertrag aufzulösen.» Wobei die Initiative von ihm aus ging. «Um nach Aarau wechseln zu können. Sonst hätte mich Aarau nicht genommen, ich wäre ihnen zu teuer gewesen.» Aarau mit Trainer René Weiler galt als heisser Aufstiegskandidat in die Super League. Und Dani Fanger etablierte sich schnell in Aaraus Innenverteidigung. War Stammspieler und kämpfte mit den Aargauern um die Tabellenspitze. Übrigens auch im FCA-Kader damals, Nico Siegrist.

Es war für mich ein Neuanfang. Fussball als Freizeitbeschäftigung, als Hobby

Das Ende in Aarau
Aber Aarau verpasste den Aufstieg. Der FC Sion war in der Barrage eine zu grosse Hürde und Fanger fand sich gegen Ende der Saison, in der entscheidenden Phase, vermehrt auf der Ersatzbank wieder. Aarau blieb in der Challenge League und Dani Fanger brach den Versuch «Fussball-Profi» ab. Er schrieb sich an der Universität Basel ein und verabschiedete sich, zumindest vorübergehend, aus dem Fussballgeschäft. «Es war nie mein Anspruch in der Challenge League Karriere zu machen, nur um sagen zu können, ich sei Profi-Fussballer.» Ein Studium schien ihm sinnvoller und nachhaltiger. «Schliesslich hatte ich die Kanti ja für irgendetwas gemacht.» Ende. Kein Fussball mehr.

Ein Bruch sicherlich, nach gut 20 Jahren in denen der Fussball ein täglicher Begleiter und Antreiber war. Aber Dani Fanger genoss den Abstand. Seine Entscheidung tat ihm gut. Er bereute sie nicht, sondern entdeckte neue Freiheiten. Hatte Zeit für die Dinge abseits des Rasens. Er bewahrte sich seine Entscheidungsfreiheit. Die Rückkehr auf den Fussballplatz war per se nicht vorgesehen. Ein ehemaliger Mannschaftskamerad aus gemeinsamen Challenge-League-Zeiten beim SCK, Fangers Kollege und bester Freund Robert Souto, lotste ihn dann aber im Sommer 2013 zum FC Sursee in die erste Liga. «Es war für mich schon in gewisser Weise ein Neuanfang. Fussball als Freizeitbeschäftigung, als Hobby. Aber trotzdem verbunden mit einer Leistungsbereitschaft und einem Engagement.»

Die Bilder von früher
Dani Fangers zweite Fussballkarriere hatte soeben begonnen, als der SC Kriens nach halbwegs überstandenen finanziellen Turbulenzen wieder festen Boden unter den Füssen bekam und sich bei ihm meldete. «Für mich war klar, dass ich mithelfen wollte, den SCK dorthin zu bringen, wo er hingehört.» Der Abstieg in die erste Liga 2014 änderte daran nichts. Dani Fanger fand den Weg zurück in seine alte Heimat und gab dem SC Kriens ein Stück Identifikation zurück. «Ich habe mich an den Aufstieg von 2009 erinnert. Wie schön das damals war und bin mit diesen Bildern in meine erste Saison im Kleinfeld gegangen.» An deren Ende kehrte der SC Kriens mit Dani Fanger als Captain bekanntlich in die Promotion League zurück.


Aber dann trifft man in der Garderobe auf Leute, die mehr sind als Mitspieler

Mittlerweile ist seine dritte Saison im SCK-Dress zu Ende. Eine, in der sich sein Leben erneut grundsätzlich veränderte. Er hat im vergangenen September begonnen zu arbeiten. Bei der FIS Marketing AG. «Seit ich jeden Tag dort bin, habe ich einen völlig neuen Blick auf den Fussball bekommen.» Anfangs war es ungewohnt. Die Tage im Büro, die Abende im Kleinfeld. Dreimal pro Woche. Fussball als Ausgleich zum Berufsalltag. Nicht immer hat man Lust darauf. «Aber das was viele in der dritten oder vierten Liga tun, kicken mit Kollegen am Feierabend, habe ich hier beim SCK in der Promotion League.» Dieser kollegiale Zusammenhalt reisst das Team und Dani Fanger mit. Auch wenns schwierig wird. Wenn sich Verletzungen breit machen, Spiele nicht laufen wie geplant oder der Druck steigt.

20169812_SCKRIENS2645

So sieht Freude aus. Dani Fanger geschafft aber glücklich nach dem Cupsieg gegen den FC Thun im Sommer 2016.

Das «Model» Fanger funktioniert
Fussball hat für Dani Fanger unabhängig davon nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert, «sonst würde ich diesen Aufwand mit drei Trainings pro Woche nicht betreiben.» Aber, es gibt nun nicht mehr nur den Fussball. Er kann aus beruflichen Gründen auch mal ein Spiel verpassen, das gehört dazu. Ist mit dem SCK aber abgesprochen. «Ich fühle mich fit und gesund und möchte noch länger hier spielen, besonders mit dieser Mannschaft.» Die berufliche Sicherheit und die persönliche Gewissheit, dass das Model «Fanger» weiterhin funktioniert. Im Fussball und neu auch abseits des Feldes. «Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Solange ich auf dem Feld meine Leistung bringe, der Mannschaft und dem Verein helfen kann und mit Freude dabei bin stimmts für mich.» Dani Fanger sagt es, und macht sich auf den Heimweg. Nur 300 Meter sind es bis zur Haustür. Es ist immer noch derselbe Weg, den er schon als kleiner SCK-Junior gegangen ist.

Dieser Artikel erschien im Mai 2017 im SCK-Magazin. Bild: Roger Keller