SC Kriens – YF Juventus

Von Oliver Kraaz Die Meldung tuckerte sich vorbei wie ein kleines Rinnsal. Aber dieses Rinnsal wird sich zu einem reissenden Strom auswachsen, an deren Ende nichts anderes als die Bedeutungslosigkeit der nationalen Fussball-Ligen stehen wird.

Worum geht es? Die grossen Ligen aus Spanien, England, Deutschland und Italien werden wohl bald vier fixe Startplätze in der Champions League haben. «Nicht so schlimm, Champions League ist geil» kann man jetzt vom Sofa mit der Hand in der Trainerhose brüllen.

Das ist aber zu kurz gedacht. Wer über die WC-Pause bei den TV-Abenden hinausdenkt, der merkt: Die Champions League dehnt sich zu einer immer längeren Meisterschaft einer geschlossen, reichen Elite aus. Wo die Investoren sind, sind die Klubs in der Champions League. Wer mal drin ist, fällt wegen den Prämien kaum mehr raus. Wegen eben diesem Geld kommen andere aber auch kaum rein. Es ist wie vor der Migros, wo ein Bild mit einem Hund vor dem Eingang mahnt: «Ich muss draussen bleiben.» So wird es 95 Prozent aller Klubs in Europas Landesligen gehen.
Als Trost darf man sich etwas an der Europa League abmühen, die – seien wir ehrlich – keiner sehen will. Die Europa League ist so etwas wie der Pinkel-Gassi-Gang für den Hund am Abend: Etwas raus aber trotzdem an der Leine.

…tja, und die nationale Liga? Findet eben statt. Hier lassen die grossen Klubs ihre B-Garde sich warmlaufen und regenerieren. Fit machen für die Champions League. Von den Farmklubs geht es direkt zur Farmliga. Man tut so, als ob man noch dabei wäre. Dabei ist eines klar: Es gibt die da oben und die da unten.

Was dies für den Amateur- und Halbprofi-Fussball bedeutet, wird auch von den Klubs abhängen. Das Modell funktioniert nicht mehr, zu gross wird die Lücke nach oben. Wer sich unüberlegt streckt, wird sterben. Wumms. Es geht um neue Ideen, wie man Fussball mit wenig Geld (häufig ohne Geld) für alle gestalten und anbieten kann. Zum Miterleben und Dabeisein. Das ist der einzige Weg.

Auch der SC Kriens macht sich die Gedanken darüber. Die Zukunft des Fussballs wird dramatisch anders sein, als man denkt. Man tut gut daran, mit einer soliden Gegenwart dazu das Fundament zu legen. Der nächste Schritt ist das Heimspiel am Samstag gegen Juventus Zürich (Kleinfeld 17:30 Uhr). Freuen wir uns.

3 Antworten

  1. Hervorragender Artikel! Viele Grüsse nach Kriens, wir freuen uns auf das Spiel am Samstag. Denn DAS ist Fussball. Ein Bier und eine Wurst anstatt ein Lachsbrötli und ein Cüpli.

    Gruss
    Daniel Nater
    YF Juventus Fanclub Westkurve

  2. Mark Baumann

    Für Clubs wie Kriens oder YF Juventus war die Lücke nach oben schon immer da. Die SL war nie ihre Welt, nicht mal die ChL mit 10 Mannschaften. Was spielt es für eine Rolle, ob Basel die Meisterschaft mit der B-Mannschaft bestreitet? Das ist höchstens fürs Publikum der SL relevant. Solange dort Kleine wie Thun, Lugano und Vaduz dabei sind, gibt es eh keinen Grund zur Aufregung. Verdrängen könnten sie höchstens Traditionsclubs wie Aarau, FCZ, Xamax oder Servette. Neureiche wie Wil sind in der ChL eine Ausnahme, diese Liga ist für grosse Investoren uninteressant. Die Clubs der unteren Ligen waren schon immer von lokalen und regionalen Sponsoren, Gönnern und Zuschauern abhängig. Und der Zuschauerrückgang in der Ersten Liga hat schon vor langem eingesetzt und mit der Champions League nichts zu tun. Gelassen bleiben.