SC Kriens – FC Basel II

Nervensägen besiegt man am liebsten

Seien wir ehrlich: Im Fussball geht es nicht immer nur um Freundschaften und Sportsgeist. Das wäre so spannend wie eine Freinacht in einer Mormonen-Stadt ohne Alkohol. Nein, Fussball bekommt erst so richtig Fahrt, wenn man seinen Gegner nicht ausstehen kann. Der FC Basel U21 ist  … dies nicht – aber der Reihe nach.

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Ein Bekannter erzählte mir am Montag, dass er wieder mal in seine Heimat nach Köln fahre. Zum Rhein-Derby gegen den Nachbarn Leverkusen. Für nicht eingeweihte: Kölner haben nichts gegen Leverkusener. Nein, sie hassen sie regelrecht.

Der Kölner Dom könnte in einen McDonald-Drive-in umgewandelt werden, für Kölner wäre es schlimmer, wenn Leverkusen Meister werden würde. Das furiose Leverkusener Jahr unter Christoph «Schneehase» Daum war für alle Kölner deshalb ein endloses Bangen. Denn beinahe wäre Leverkusen zum Meister geworden. Wäre dies passiert, wäre in Köln wohl das Bier in 10 Minuten ausgegangen (kam ja dann anders).

Diese gallenartige Wut gegen den Emporkömmling aus dem Chemiewerk hält bei den Kölnern und bei meinem Kollegen bis heute an. «Und dann blamieren wir die, dass die sich wochenlang schämen, schämen bis in die Puppen!!» referierte er ins Telefon. Und dann ging es noch weiter. Deftiger. Wohlverstanden: Mein Kollege ist über 50 und lebt seit 20 Jahren in der Schweiz. In seinem Schrank hängen 12 Fussball-Leibchen. Alle vom 1. FC Köln.

Natürlich geht es meinem Kollegen bis Samstag weniger gut. Er lebt in einem Ausnahmezustand. Zwischen der Euphorie («So richtig verkloppen!») und der dunklen Angst («…aber wenn die gewinnen…?»)

Und das ist Fussball, unverblümt! Da kann der Halloderie-Stadl FIFA noch lange mit Friedenskindern ins Stadion einmarschieren und Friedenstauben in den 50 Grad warmen Himmel von Katar fliegen lassen. Fussball heisst auch für eine Niederlage der andern dem lieben Gott alles zu beichten, auch was man nicht getan hat. Man aber gerne machen würde.

Was dies mit Basel U21 zu tun hat? Leider nichts. Ich kann mich über Basel U21 auf dem Kleinfeld (Samstag, 17:30 Uhr) weder ärgern noch freuen. Mir fällt einfach nichts dazu ein. Nichts. Wie dem Schweizer Fussballverband, der mir auch nicht erklären kann, wieso dies mit den U21-Teams eine gute Idee sein soll. Wissen die wohl selber auch nicht.

1 Antwort

  1. Mark Baumann

    Es gibt schon einen Grund für den Verband und die Grossclubs. Die Promotion League vereint die stärksten Equipen der 1. Liga. Sogar Clubs mit Profis und Halbprofis. Es ist für die U21 interessanter, gegen Servette oder Kriens zu spielen als gegen Muri, Balzers, Kosova oder andere, bei denen man zuerst die Karte oder das Internet braucht, um den Weg zu ihren Plätzen zu finden. Zugegeben, wer wusste schon, wo Breitenrain beheimatet ist?