SC Kriens – BSC Old Boys

Von Thomas Tobler Herr Kraaz weilt an der Ostsee. Deshalb sei er an dieser Stelle entschuldigt. Strandkorb statt Stehplatz. Als Fussballmekka ist die Ostsee ja eigentlich wenig bekannt. Der Ostsee-Primus Hansa Rostock spielt mittlerweile in der dritten Liga. Dort aber regelmässig und immerhin vor 15000 Zuschauern. Apropos Primus. «Primus Immobilien Arena» heisst die Heimstätte des FC Pommern Stralsund. Der Verein ist unweit von Rostock beheimatet und kickt ein paar Etagen tiefer in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern. Vor zwei Jahren kaufte sich eine Immobilien-Bude aus Berlin-Mitte die Namensrechte des Stadion direkt am Hafen der Ostsee. Wunderschön gelegen. Man brauche das Geld um unter anderem den Seniorenfussball zu fördern, hiess es aus Stralsund. Dagegen sind 222 Millionen Euro Ablöse für einen brasilianischen Fussallspieler fast nachvollziehbar.

Der ehemalige SCK-Spieler und Juniorentrainer Christian Brand war übrigens Trainer von Hansa Rostock – bis im Mai 2017. Aber das sportliche Glück will dort nicht so richtig Einzug halten. Dazu drücken stetige Finanzsorgen aufs Gemüt. Kennt man. In der dritten Liga soll nun «etwas aufgebaut werden». Will heissen: Uns fehlt momentan das Geld, aber sobald ein potenter Zahler gefunden ist, starten wir durch. Minimum Deutscher Meister, Champions League im Vorbeifahren und den Weltpokal holen wir mit der B-Elf. Das dachten sie auch in München. Bei 1860. Bis der Konkursverwalter in diesem Sommer auf der Matte stand.

Jetzt eröffneten die Löwen ihre Saison in der vierten Liga. Und die Fans haben eine «Mordsfreude» daran. Das liegt allerdings nicht an der Liga, sondern am Stadion. Der Verein ist wieder klein genug um die Heimspiele im altehrwürdigen Grünwalder Stadion auszutragen. 12500 Menschen kamen beim ersten Spiel nach 12 Jahren in der ungeliebten Allianz Arena der Bayern (es ist unschön, wenn man sich als Fan im eigenen Stadion unwohl fühlt) zum ersten Heimspiel. Vollksfest pur. Kein Schnickschnack. Nur Fussball. Keine winkenden Maskottchen und wehenden Fähnchen mit dem Firmenlogo des Hauptsponsors. Die 1860er sind wieder dahoam.

In diesem Sinne: Wir freuen uns «mordsmässig» aufs Kleinfeld, nehmen vorerst aber eine weitere Saison, und bestimmt nicht ungern, im Gersag platz. Heute um 20 Uhr zum ersten Mal in dieser Saison. Ausser Herr Kraaz. Der schaut sich den Livestream aus dem Gersag im Strandkorb an der Ostsee an.

COME ON KRIENS