SC Brühl – SC Kriens

Von Reto Vogt, Fussball- und FC Gossau-Fan 

Ist der Fussball nach den Terroranschlägen in Paris und der Spielabsage in Hannover noch das, was er mal war: Ein Volkssport, wo sich Menschen aus allen Schichten und Kulturen treffen, niemand ausgegrenzt wird, Verein und Fans auf Augenhöhe diskutieren und Spieler mit Herzblut für die eigenen Farben auflaufen? Die Antwort lautet nein, aber nicht erst seit letzter Woche.

In den obersten Ligen vieler Länder können sich viele Familien keine regelmässigen Besuche mehr leisten. Das günstigste Ticket für den Besuch des medial sehr präsenten Ländervergleichs zwischen England und Frankreich kostete in etwa gleichviel wie 15 Pints Carling im nächsten Pub. Und da hat erst Papa genügend getrunken …

Das ist eine Form der Ausgrenzung. Eine andere ist es, so hohe Anforderungen an Sicherheitsstandards und Infrastruktur zu stellen, dass für kleinere Vereine Aufstiege in höhere Ligen unmöglich werden – selbst wenn sie’s sportlich schaffen sollten. Und drittens ist es heutzutage Usus, Fans wie Tiere zu behandeln und für sie die geltende Rechtsordnung ausser Kraft zu setzen, ohne dass sich jemand daran stören würde.

Zum Glück gilt das vielerorts nur für den professionellen Fussball. Im Amateurbereich werden Gemeinschaftssinn, Integration und Freiheit noch grossgeschrieben. Zum Beispiel lud der SC Brühl (Samstag, 16.30 Uhr im Paul-Grüninger-Stadion gegen den SC Kriens) lange vor den Marketingabteilungen grosser Vereine Flüchtlinge zu einem Spiel ein – still und heimlich, als einer der ersten Vereine der Schweiz.

Wer ein Spiel der ehemaligen NLB und oder tieferen Ligen besucht, erlebt oft noch den wirklichen Fussball. Kann Tickets am Stadion kaufen, ohne grosses Sicherheitsgedöns reinspazieren, Würste von Holzkohlegrills riechen und Frischgezapftes trinken. Die echte Freude der Spieler über kleine Choreos und laute Rufe aufsaugen. Oder kurz: Den Fussball als das geniessen, was er eigentlich noch überall sein sollte: Ein Volkssport.

2 Antworten

  1. Mark

    Diese von oben diktierte Willkommenskultur für Flüchtlinge (echte und sehr viele unechte) kann man durchaus kritisch sehen. Erwähnt werden muss unbedingt, dass der Brühl-Präsident Hungerbühler Asylchef des Kts. SG ist. Die Flüchtlinge sind also sozusagen seine Arbeitgeber. Es ist seine Sache und er wird es auch in seinem Interesse getan haben, sie zu einem Spiel seines Clubs einzuladen und zu verköstigen, wie das bereits geschehen ist. Solche Einladungen sind letztlich eine politische Positionierung eines Fussballvereins. Für den SC Kriens wünsche ich mir dies klar nicht, das ginge Richtung links-grün-alternativ, und als langjähriger SCK-Anhänger und regelmässiger Matchbesucher könnte ich eine solche Ausrichtung nicht akzeptieren.
    Es ist auch nicht einzusehen, warum ausgerechnet Fussballclubs da erneut vorpreschen sollten, sind es doch gerade sie, die in den letzten Jahren wohl am meisten für die Integration von jungen Zuwanderern getan haben. Im Übrigen wird uns und v.a. unsern Nachkommen diese Massenzuwanderung noch sehr, sehr teuer zu stehen kommen, nicht nur finanziell.
    Es gibt aber noch einen andern Aspekt, nämlich einen juristischen: Schaue ich mir die Spielerliste des SC Brühl an, fällt auf, dass mehrere Spieler aus Südamerika stammen. Grundsätzlich gibt es für Personen ausserhalb der EU keine Arbeitsbewilligung in der Schweiz, ausser Kontingente für Spezialisten. Für Super League/Challenge League ist das i.d.R. kein Problem. Hingegen wird die Promotion League vom Staatsssekretariat (früher: Bundesamt) für Migration nicht als Profiliga eingestuft, und deshalb gibt es keine Arbeitsbewilligung, auch wenn die Spieler neben dem Fussball eine andere (Alibi-)Beschäftigung haben. Beispiel aus jüngster Zeit: Der Brasilianer Paulo Menezes (Paulinho), den Servette von Winterthur übernehmen wollte und dem ein Profivertrag angeboten wurde, erhielt von Bern keine Arbeits- und somit keine Aufenthaltsbewilligung und musste nach Brasilien zurückkehren, nachdem er mehr als zehn Jahre in der Schweiz als Profi tätig gewesen war (u.a. GC). Auch der SCK musste ja diese Erfahrung machen seinerzeit mit Thiago (sogar in der NLB), auch er wurde ausgewiesen. Man fragt sich einfach, ob da immer mit gleichen Ellen gemessen wird. Natürlich kann es sein, dass der eine oder andere Brühl-Ausländer mit einer Schweizerin verheiratet ist oder mindestens ein Kind gezeugt hat hier. Oder einen guten Anwalt hat – um nicht mehr zu sagen. Wie auch immer, ich nehme mir das Recht, dies skeptisch zu betrachten.

    1. SC Kriens

      Besten Dank für deine persönliche Einschätzung Mark. Grundsätzlich kann heute jede Handlung oder Haltung als politisch angehaucht ausgelegt werden. Das heisst aber nicht, dass dahinter immer politische Motive stehen. Die Arbeit im Kleinfeld hat seit vielen Jahren einen stark integrativen Charakter. Und zwar nicht nur in Bezug auf die verschiedenen Herkünfte der Vereinsmitglieder, sondern auch in Bezug auf ihre unterschiedlichen Ansichten (die politischen und andere), Meinungen und Wertvorstellungen. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, neben dem Punktesammeln ;-), diese Vielfalt beim SC Kriens aufrecht zu erhalten. Und das erreichen wir als Verein nicht durch Ausgrenzung.

      Hier der Link zum Interview mit SCK-Präsident Werner Baumgartner zum Thema «Training für Asylsuchende». Frohe Winterpause und bis im Frühling wieder im Kleinfeld.
      http://www.zentralplus.ch/de/news/gesellschaft/4577269/SC-Kriens-plant-Trainings-mit-Asylsuchenden.htm