Lachsbrötli retten keinen Amateurklub

Fussball wird teurer, das haben wir an dieser Stelle schon ein paar Mal bemerkt. Bisher galt diese Erkenntnis jedoch vor allem in Bezug auf die Tatsache, dass im Fussball immer mehr Geld drin steckt. Von weitem könnte man jetzt zufrieden grummeln: «Cool!» und sich über noch weitere überflüssige Wettbewerbe freuen wie den Confed-Cup, die Klub-WM oder was sich die FIFA sonst noch weiter einfallen lässt, um die schönste aller Sportarten zu melken.

Näher betrachtet kostet der Fussball aber am falschen Ort – bei den kleinen Vereinen. In den unteren Ligen. In England beispielsweise, also dort wo das Geld explodiert, lösen immer mehr Klubs ihre Junioren-Abteilungen auf. Weil die Scouts der Profiklubs die Talente bereits im Windelalter von den kleinen Klubs abzügeln, können diese fast keine Junioren mehr ausbilden. Mit den Talenten wandern auch die Einnahmen dorthin, wo das Geld eh schon ist. Auch in Deutschland schlagen die Amateur-Klubs Alarm. Ihnen geht das Geld aus. Früher gehörte der Sonntag dem Amateurfussball. Prinzip: Am Samstag schaue ich Dortmund, am Sonntag Westfalia Herne in der Landesliga. Da aber unterdessen an allen Wochentagen bis Heiligabend gekickt wird, gibt es keinen Tag, der nur den Amateuren gehört. Das bedeutet: es besteht immer die Konkurrenz mit dem Profifussball, der Zuschauer wegfrisst. Und sei es nur wegen einem Backpfeiffen-Turnier um den Samsung-Burger-King-Pokal in Dubai.

Fussball ist ein Sport der allen gehört. Wer aber nur den Profi-Fussball stützt, begräbt auch diesen allmählich. Tragisch nur, dass dies den Verbänden nicht klar ist. Ideen und Leben kommt aus den kleinen Klubs. Nicht zuletzt der soziale Beitrag. Stichwort Integration. Profiklubs dagegen sind längst zu Marketing-Vehikel geworden. Und zum Teil auch noch ganz schlechte. Irgendwann werden wir uns alle erwischen, wie wir nur noch auf Kommando Sponsoren-Fänchen schwenken dürfen und in der «Müllers-beste-Würste»-Arena ein Spiel bejubeln sollen.

Wobei beim Kauen der Würste nicht zu viel Lärm gemacht werden soll, damit in der Business Loge die Sponsoren nicht beim Lachsbrötli schlemmen gestört werden (wer will eigentlich Lachsbrötli an Fussballspielen? Warum nicht gleich Ballett in der Pause?). Kann sein, dass der Fussball diesen nahenden Schock braucht. Solange FIFA-Funktionärinnen an einem einzigen Tag für Putzfrauen die Jahresentschädigung eines einzigen SC Kriens-Spielers verdienen, stimmt etwas nicht. Die Verbände tun gut daran, den kleineren Klubs Sorge zu tragen. Nicht nur denen, die gerade den Absprung einen türkischen Investors verkraften müssen.