«Ich habe nie eine grün-weisse Brille auf»

Noch zwei Wochen bis zum Saisonstart im Kleinfeld. Die Vorbereitungen laufen – auch bei Hötsch F. Müller. Wenn er sich ein Fussballspiel ansieht, dann interessiert ihn die Schiedsrichterleistung mehr als alles andere. Dieses Interesse hat mit seiner Vergangenheit zu tun – und es kommt ihm bei seiner Arbeit als Schiedsrichterbetreuer bei den Heimspielen der ersten Mannschaft zu Gute.

Hötsch Müller, woher kommt deine Begeisterung für den Schiedsrichter?

29 Jahre lang habe ich für den FC Entlebuch selber als Schiedsrichter in den unteren Ligen und bei den Senioren gepfiffen. Das prägte mich natürlich für die Arbeit des Schiedsrichters.

Warst du selber immer gerne Schiedsrichter?
Immer ja.

Weshalb?
Nun, man ist als Schiedsrichter ein bisschen ein Einzelkämpfer. Das entspricht mir. Auf dem Platz musst du deine Linie durchziehen, schauen dass die Regeln eingehalten werden und dir niemand reinredet in deine «Arbeit». Ich mag es, wenn ich meine Sache machen und meinem Empfinden nach handeln kann.

Auch abseits des Fussballfeldes?
Durchaus ja. Ich habe bis zu meiner Pensionierung beim Kanton Luzern in der Abteilung für Baugesuche gearbeitet und musste dort auch anhand des Regelwerks Entscheidungen treffen und diese zum Beispiel gegenüber von Gemeinden, Bauherren oder Architekten durchsetzen.

In meinen drei Jahren als Schiedsrichterbetreuer gab es erst einen Schiedsrichter, der nach dem Spiel nicht ins Penalty-Stöbli wollte.

Welche Eigenschaften zeichnen einen guten Schiedsrichter aus?
Ich würde sagen, regeltechnisch muss er zu 100 Prozent auf der Höhe sein, Ruhe ausstrahlen und einen respektvollen Umgang mit den Spielern und Trainern pflegen. Wichtig für einen guten Schiri ist auch die Vorbereitung aufs Spiel. Mental, natürlich körperlich und auch sein Erscheinungsbild hat einen Einfluss auf die Akzeptanz.

Deshalb kommen Promotion-League Schiedsrichter auch immer wie für eine Gala gekleidet im Kleinfeld an.
(lacht) Ja ja. Aber im Ernst, als Schiedsrichter vermittelt man so sofort einen professionellen Eindruck. Das kann die Arbeit später auf den Platz deutlich leichter machen. Zudem wollen diese Schiris ja weiterkommen und entsprechend professionell wirken.

Kommen die Schiedsrichter gerne ins Kleinfeld?
Sie werden auf jeden Fall gut umsorgt hier (lacht). Aber ja, ich denke schon, dass sie gerne zu uns kommen.

Wie umsorgt der SC Kriens die Schiedsrichter?
Am Morgen des Spieltags rufe ich sie an, um mich kurz zu melden und mich zu vergewissern, dass sie das richtige Aufgebot erhalten haben.

Bekommen Promotion-League Schiedsrichter oft ein falsches Aufgebot?

Nein nein. Allerdings hatte sich vor zwei Jahren ein Schiedsrichter mal eine falsche Anspielzeit notiert und kam nur dank meinem Anruf rechtzeitig ans Spiel. Aber es hilft, wenn man sich vor dem Treffen im Kleinfeld schon einmal gehört hat.

Es ist auch Tradition, dass die Schiedsrichter nach dem Spiel zusammen im Penalty-Stöbli essen.

Genau und in meinen drei Jahren als Schiedsrichterbetreuer gab es erst einen Schiedsrichter, der nach dem Spiel nicht ins Penalty-Stöbli wollte.

Schlecht gepfiffen?
Ich würde es mal so sagen: Die Unparteiischen haben selber gemerkt, dass ihre Leistung nicht so gut ankam beim Publikum und den Spielern und sie sind deshalb wohl lieber direkt nach Hause gegangen.

Achtest du während des Spiels speziell auf den Schiedsrichter?

Ich achte mich eigentlich nur auf 
den Schiedsrichter. Das hat sicherlich mit meiner langjährigen Tätigkeit als Schiedsrichter zu tun. Man schaut ein Spiel anders mit diesem Hintergrund 
als ein neutraler Zuschauer. Und man versucht eine Partie so zu lesen als stünde man selber als Schiedsrichter auf dem Platz. Ich schaue auf die Laufwege des Schiedsrichters, auf seine Körpersprache, die Gestik im Spiel und natürlich auf seine Entscheide.

Diskutiert man im Penalty-Stöbli danach zusammen darüber?

Klar, wir sprechen immer über das
 Spiel. Mich interessiert es, weshalb in dieser oder jenen Situation so und nicht anders entschieden wurde. Manchmal kommt auch Jure (SCK-Trainer Marinko Jurendic A.d.R.) dazu und schildert seine Sicht. Oder wir schauen uns gewisse Situationen gleich zusammen am Laptop an und diskutieren sie gemeinsam. Das ist für mich immer sehr spannend und ich kann mich sehr gut in die Haut des Schiedsrichters hinein versetzen.

Argumentierst du dann als SCK-Vertreter oder als ehemaliger Schiedsrichter?
Immer von Schiri zu Schiri. Ich habe bei diesen Diskussionen nie eine grün-weisse Brille auf.

Kannst du nach dem Spiel völlig unparteiisch mit einem Schiedsrichter sprechen?

Absolut ja. Auch ich habe zu meiner aktiven Zeit stets eine Manöverkritik gemacht und ich kann mich wie gesagt nach einem Spiel gut in den Schiedsrichter hineinversetzen und mitfühlen, wenn er keinen guten Tag hatte.

Gestehen die Schiedsrichter in dieser kleinen Runde auch Fehler ein?
Eigentlich nicht nein. Aber es kann natürlich vorkommen, dass sie sagen, sie hätten sich zum Beispiel auf den Linienrichter verlassen müssen, weil sie die Situation selber nicht genau beurteilen konnten.

Hat sich bei dir nach drei Jahren Schiedsrichterbetreuung schon eine leise Amtsmüdigkeit eingeschlichen?
Nein überhaupt nicht. Denn jedes Spiel ist wieder anders, jeder Schiedsrichter ist anders. Das macht es für mich sehr abwechslungsreich. Und ich freue mich darauf, die Schiedsrichter in rund zwei Jahren im neuen Stadion Kleinfeld begrüssen zu dürfen. So lange mache ich sicher noch weiter.

Gekürzte Fassung. Original erschienen im SCK-Magazin Nr.2/2016