Etoile Carouge – SC Kriens

Leicester – ein letztes Lebenszeichen des echten Fussballs?

Noch drei Runden. Dann wäre Leicester englischer Meister. Ein Klub – wir haben es alle gelesen unterdessen – der letztes Jahr noch vor dem sportlichen Abgrund stand. Es wäre eine Sensation. Und alle Welt freut sich mit. Warum eigentlich?

Die Freude an Leicester ist im Grunde genommen ein Symptom für einen kranken Sport. Man könnte sagen: Die Freude an Leicester ist so gross, weil es Leicester im Fussball heute immer weniger gibt und künftig noch weniger geben wird. Leicester ist eine Panne, die wir jetzt geniessen sollten.

Denn: Fussball ist in den Top-Ligen berechenbar geworden. Man schaue sich die Top-Ligen an. Vorne ist, wer den mächtigsten Investor hat. Was nachher auf dem Platz passiert, ist nur eine logische Kette: Wer mehr Geld hat, kauft zuerst und das beste Spielermaterial. Der Rest ist die Logik wie der Regen, der zu Schnee wird, wenn es kalt ist.

Übertrieben? Okay. Dann sind es eben nicht die Investoren, sondern… das Geld. Genau. Beispiel: Wenn Ajax Amsterdam Meister in Holland wird, hat der Klub weniger Budget als der Letzte in der Premier League. Wegen den Fernsehrechten, von Liverpool bis Abu Dhabi. Darum hat Aston Villa mehr Chancen die Champions League zu gewinnen als Ajax. Dumm nur, dass Aston Villa absteigt.

Anderes Beispiel: Wenn sich Celtic oder der FC Basel für die Champions League qualifizieren und zwei schreckliche 0:0 ergurken, haben sie bereits ein grösseres Budget als der Rest ihrer Ligen. Dank den Punkteprämien. Mit dem regulären Budget dazu kann man sagen: Die Meisterschaft ist vor dem Anpfiff gelaufen. Siehe Schottland. Siehe Schweiz. Siehe Frankreich. Siehe Deutschland (ja, Dortmund darf auch mitmachen, aber eben doch nicht zu fest).

Kurz: es wird schwierig im Klubfussball, wenn der Geldhahn eine Meisterschaft entscheidet und nicht eine geniale Nummer 10 im Mittelfeld. Klar, es sollen ja nicht gleich alle ein zweiter FC Biel sein.

Aber: Die geniale Einfachheit des Fussballs, zwei Teams, 11 Leute, 90 Minuten, ein Ball – diese geht verloren. Fussball für ein paar wenige, das ist nicht mehr Fussball. Die Vereine der unteren Ligen, die abseits des grossen Geldes, können den Fussball bewahren – wenn Sie nicht falsche Träume hegen und wissen, wo sie hingehören. Sonst wird aus Barcelona schnell mal Biel. Und dann geht in einer Region mehr als nur ein Klub verloren. Es geht Fussball für alle verloren.

Es lohnt sich also ein gesunder Blick auf das, was sich abspielt. Nichts ist selbstverständlich. Darum gibt es auch Gründe genug, sich auf die nächsten Spiele des SC Kriens zu freuen. Zuerst am Samstag gegen Carouge, dann gegen Tuggen im Kleinfeld. Bis dann ist auch Leicester Meister.