Ehemaliger SCK-Junior in die Bundesliga

Im Dezember 2013 erzählte Florent Hadergjonaj dem SCK-Magazin ausführlich von seiner Meistersaison im SCK-Dress und dem Wechsel zu YB. Heute unterschrieb Hadergjonaj, der ehemalige SCK-Junior und U17-Schweizermeister, einen Vertrag beim FC Ingoldstadt in der Bundesliga.

SCK-Magazin 2013 Von Tina Colatrella-Müller

«Das waren meine schlimmsten Sommerferien», gesteht Florent Hadergjonaj. Die Sommerferien als er auf den Bescheid vom damaligen U17 Trainer und heutigen technischen Leiter des SC Kriens Genesio Colatrella warten musste, ob er während einem Jahr in der U17 Mannschaft des SC Kriens spielen darf. «Es war eine riesen Erleichterung für mich, als ich von Kriens den positiven Entscheid bekam. Hätte ich den Sprung in die U17 nicht geschafft, ich weiss nicht, wo ich heute stehen würde.»

Ich bleibe auf dem Boden
Wir befinden uns in einem Kaffee im Einkaufszentrum des Berner Stade de Suisse. Ich werde dabei von meiner zweijährigen Tochter, die unaufhaltsam rumzappelt und von meinem Mann flankiert, welcher Florent während einem Jahr trainiert hatte. Mir gegenüber hat ein freundlicher, aufgeschlossener junger Mann Platz genommen, der den Sprung in die Profiliga des schweizerischen Fussballs geschafft hat. Seit kurzem spielt er in der ersten Mannschaft von YB. «Das ist schon ein riesen Gefühl. Ich kann es selber kaum glauben», meint der Langnauer strahlend. Nervös sei er bei seinem ersten Spiel beim Berner Giganten schon gewesen. Er habe beim Einlaufen im Stadion ganz schön Herzflattern gehabt. Aber inzwischen habe er sich daran gewöhnt. Verändert habe ihn der Erfolg hingegen nicht – noch nicht, denn bekanntlich reissen sich Agenten, Manager und nicht zuletzt Bekannte und Freunde um einen neuen Stern am Fussballhimmel. Der junge Spieler lässt sich von dem ganzen Wirbel um seine Person jedoch nicht beeindrucken. „Ich bleibe immer der Florent, der ich war – bodenständig“, meint er lachend.

Ich habe an meine Stärken geglaubt
Profifussballer werden, das wollte Florent schon im zarten Alter von sechs Jahren. Was aber unterscheidet der junge Fussballer von seinen X-anderen Mitstreiern? «Oh, das ist eine schwierige Frage», meint er stirnrunzelnd und fügt nach einigem Nachdenken hinzu: «Ich habe nie versucht, etwas Aussergewöhnliches zu machen. Ich habe auf dem Platz gezeigt, was ich kann und an meine Stärken geglaubt÷“ Diese seien auf dem Platz die Ruhe zu bewahren und auch bei Fehlern bei der Sache zu bleiben.

Ein wichtiger Moment in seiner Karriere
Das YB Stadion ist Florents zweite Heimat. Jeden morgen trifft er kurz nach Acht im Stade de Suisse ein, um pünktlich um neun Uhr mit seinen Teamkollegen zu frühstücken. Das Training beginnt um zehn Uhr. Danach isst das Team zu Mittag und ruht sich vor der nächsten Trainingseinheit um 15 Uhr in einen speziell dafür ein- gerichteten Ruheraum aus. Von dieser Infrastruktur kann ein SC Kriens zum gegeben Zeitpunkt nur träumen. Trotzdem wäre Florent ohne Kriens nicht dort, wo er heute steht. «In die U17 vom SCK aufgenommen zu werden, war für mich ein sehr wichtiger Moment. So hatte ich die Gewissheit, dass ich im Junioren Spitzenfussball weiterspielen kann.»

2011 gewinnt Florent Hadergjonaj den U17-Titel mit dem SCK.

2011 gewinnt Florent Hadergjonaj den U17-Titel mit dem SCK.

Während dieses Satzes schaut er zu seinem damaligen U17 Trainer, Genesio Colatrella hinüber. Dieser hatte in ihm ein Talent erkannt und nahm ihn in seine Mannschaft auf. «Florent hatte mich durch seinen einfachen Fussball überzeugt. Er hat eine gute Grundtechnik, ist vielseitig und hat nicht versucht, mich mit Kunststücken zu beeindrucken.» Das Jahr auf dem Kleinfeld behält der junge Profi in sehr guter Erinnerung. «Ich durfte zum ersten Mal erleben, wie es sich anfühlt, einen Meistertitel zu gewinnen.»

Nicht nur Fussball im Kopf
Florent hat das Glück, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Trotz seinem Erfolg geht Florent noch zur Schule. Er lässt sich zum Kaufmann ausbilden und wird voraussichtlich im Sommer 2015 seinen Abschluss machen, auf seinen eigenen Wunsch hin, wie er mir versichert. «Ich möchte nach meiner Fussballkarriere nicht ohne Ausbildung dastehen.»

Wir sind am Ende unseres Interviews angelangt. Meine kleine Tochter, froh darüber nicht mehr still sitzen zu müssen, flitzt in den Gang hinaus. Vor dem YB Fanshop erwischen wir sie wieder. Schmunzelnd stelle ich mir vor, wie Florents sympathisches Gesicht bald von Kaffeetassen, Autogrammkarten und den Schlafzimmerwänden junger Fans entgegen lacht.