Das Wunder Till Fischer

Rückblick: 10. Juni 2015, Aufstiegsspiel Stade Lausanne Ouchy gegen den SCK. Der SC Kriens liegt 1:2 hinten. Dann kommt Till Fischer. Ein Kopfball und der emotionalste Torjubel der jüngsten Vereinsgeschichte (im Video). Es war das vorerst letzte Fischer-Tor im SCK-Dress. In der Saisonvorbereitung riss bei Till Fischer das rechte Kreuzband. Der SCK-Teamleader wurde zu einer monatelangen Fussballpause gezwungen die sich als kleine Rundumerneuerung entpuppte.

Till Fischer, mal pragmatisch gefragt, wie gehts dir?
Es sieht momentan recht gut aus. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich in ungefähr drei Monaten wieder einsatzfähig sein. Wobei eine genaue Prognose schwierig ist. Kommen die Probleme mit einem Knie in irgendeiner Form zurück, wird es länger dauern. Es ist mir wichtig, dass ich absolut fit und schmerzfrei bin, bevor ich wieder auf dem Platz stehe. Das ist auch mit unserer medizinischen Abteilung so abgesprochen.

Was genau war die Diagnose nach dem Trainingsunfall im letzten Sommer?
Ein angerissenes Innenband, ein gerissenes Kreuzband und zwei beschädigte Mensiken.

Wie gings dann medizinisch weiter?
Nach dem Trainingsunfall musste das Innenband im rechten Knie zuerst abheilen und mit einer Knie-Operation gewartet werden. Zudem hatte mein Arzt die Hoffnung, dass das Kreuzband und beide Menisken ohne Operation heilen. Und tatsächlich merkte er während einer Arthroskopie, dass mein Kreuzband wieder stabil genug war, um es nicht flicken zu müssen und auch einer der Menisken heilte ab.

Musst überhaupt etwas «geflickt» werden?
Ja, beim äusseren Meniskus im rechten Knie mussten 10 Prozent weggeschnitten werden. Ich wurde aber erst drei Monate nach dem Unfall operiert und kam schlussendlich sehr glimpflich davon. Zusätzlich zum Knie mussten noch zwei Zehen operiert werden.

«Ich erhoffe mir dadurch eine höhere Passgenauigkeit.»

Wieso das?
Die bereiten mir schon seit Jahren Probleme. Nach einem Zehenbruch vor gut zehn Jahren wurde es nun immer schlimmer. In den letzten zwei Jahren hatte ich nach grossen Belastungen wie dem Trainingslager oder einem Spiel bei jedem Schritt Schmerzen. Das Problem ist, dass der zweit- und drittgrösste Zehe zu lang sind. Nun wurden diese operativ gekürzt und je ein steifes Zehengelenk entfernt.

Hat man den Meniskus und den Zeh wenigstens gleich zusammen operiert?
Fast, die Operationen fanden nacheinander statt. Erst hat wurde das Knie operiert, im fliegenden Wechsel hat man dann den Fuss noch «geflickt». Ich bin froh, dass ich die Knieverletzung gleich auch zum reparieren meiner Zehen nutzen konnte. Ich erhoffe mir dadurch natürlich eine höhere Passgenauigkeit (lacht).

Bei der ganzen Geschichte kommt hinzu, dass man bei den Untersuchungen gemerkt hat, dass das Kreuzband in deinem eigentlich «gesunden» linken Knie ebenfalls gerissen war. 
Das ist so ja.

Du spielst also seit Jahren mit einem lädierten Kreuzband Fussball auf diesem Niveau?
Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich im linken Knie kein funktionierendes Kreuzband mehr habe. Die Instabilität des Knies hat sich bloss durch Schmerzen an der Patellasehne bemerkbar gemacht. Erst eine genaue Untersuchung und ein MRI haben die Ursache ans Licht gebracht.

«Selten war ich in einer Mannschaft mit so vielen guten Jungs.»

Wann hast du dir das linke Kreuzband gerissen?
Das weiss ich nicht so genau. Das einzige schwere Trauma im linken Knie, an das ich mich erinnern kann, hatte ich bei einem Snowboardunfall im Kindergarten. Die lange Pause war jetzt jedoch genau das richtige, um die schwere Entzündung an der Sehne abheilen zu lassen. Trotzdem ist nicht ganz klar, ob sie vollständig abgeheilt ist. Das wird sich erst zeigen, wenn das Knie wieder grösseren Belastungen ausgesetzt ist.

Zusammengefasst heisst das, dass du an beiden Knien das Kreuzband gerissen hast, es nicht operieren musstest und möglicherweise in drei Monaten wieder topfit auf dem Fussballfeld stehst?
So sieht es aus. Aber wie gesagt wirklich nur, wenn ich absolut schmerz- und beschwerdefrei bin.

Was vermisst man während einer langen Verletzungspause wie deiner eigentlich am meisten?
Einerseits fehlt mir der Wettkampf. Nicht nur in den Spielen, sondern auch in den Trainings. Sich mit andern zu messen und gewinnen zu wollen ist der Antrieb für jeden, der Sport treibt.

Und andererseits? 
Noch mehr fehlt mir der direkte Kontakt zum Team. Selten war ich in einer Mannschaft mit so vielen guten Jungs. Da schmerzt es umso mehr, wenn man nicht dabei sein kann. Natürlich schaue ich immer wieder vorbei und sehe mir nach Möglichkeit auch jedes Spiel an. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn man nicht richtig mittun kann.