Bitte zahlen! Bitte…

Von Oliver Kraaz. Der Fussball bleibt nicht stehen, er verändert sich gerade in diesen Jahren fulminant. Es wird Geld hineingepumpt, dass die Ohren glühen. Chelsea und Abramowitsch, das wirkt heute wie Trinkgeld. Wenn die Chinese-Super-League ihre Kässeli öffnet, kann auch Herr Abramowitsch seinen Spielern nur noch mit dem Tempo-Taschentuch nachwinken.

Und in der Schweiz?

Hier können Klubs mit einem Minus von einer Million in tödliche Schräglage geraten. Um das zu vermeiden, bugsieren sich andere Klubs lieber gleich direkt ins Elend. Zahlen monatelang Gehälter des Wahnsinns und sind dann so verlumpt, dass kein Rappen mehr zu holen ist – ausser Punkte.

So gesehen müsste der Fussballverband die Ranglisten neu führen. Mit zwei Spalten: Links die Punkte, rechts die aktuellen flüssigen Mittel auf dem Konto. So kann jeder Fan ausrechnen: Aha, noch sechs Punkte Vorsprung, aber in zwei Runden pleite, gibt je Spiel drei Punkte Abzug, macht dann…

Irrsinn? Nein? Aber wir erleben dies erneut. Kein Mensch weiss, ob man in Wil noch einen Wollsocken mit Sackgeld findet. Auch in Biel wars dasselbe. Der sportliche Wettkampf wird zum Witz. Der Buchhalter entscheidet die Meisterschaft. Im Schweizer Fussball redet man gerne über das grosse Geld. Ohne erfindlichen Grund hält sich die Geschichte, dass sich mit Fussball in der Schweiz Geld verdienen lässt. Die Tatsache ist: Dem ist nicht so.

Angst macht nur, dass Verein immer wieder auf Investoren, vermeintliche Vermarkter und andere Heilsbringer hereinfallen. Genaueres Hinsehen würde sich lohnen. Nur ist blinde Hoffnung oft schlimmer als eine Flasche Bier auf den nüchternen Magen am Morgen.

Vielleicht tut es gut, wenn man Champions League nicht mit Fussball gleichsetzt. Champions League ist Hollywood und Disneyland im Fussball-Tenue. In Hollywood war schon immer viel Geld und war schon immer vieles Schein. Oder hat jemand je King Kong auf dem Sonnenberg gesehen?